Pogromnacht, Antifaschismus und die Ignoranz der Schwarz-Macht

landhausHeuer jährt sich zum 78. Male das Novemberpogrom, bei dem es auch in Innsbruck zu einer fürchterlichen Hetzjagd auf die jüdische Bevölkerung kam. Die antijüdischen Ausschreitungen in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 gelten im Verhältnis zur Größe der jüdischen Gemeinde der Tiroler Landeshauptstadt als blutigster Schauplatz, in keiner anderen Stadt des deutschen Reiches wurden so viele Menschen umgebracht.

Auf Befehl von Gauleiter Hofer wird Richard Berger von drei SS Männern aus seiner Wohnung geholt und am Innufer geschlagen, zu Tode gesteinigt und im Inn „entsorgt“. Josef Adler wird mit seiner Familie von einem Kommando des SA-Eisenbahnersturms niedergeschlagen und erliegt seinen Verletzungen, Wilhelm Bauer wird mit einem Messerstich in die Brust ermordet und Richard Graubart brutal von hinten erstochen.

„Seit 1997 steht auf dem Innsbrucker Landhausplatz die Menorah – ein Mahnmal zum Gedenken der Ermordeten Juden der Pogromnacht 1938. Auf gleichen Platz soll jetzt eine übergroße Büste des Langzeit-Landeshauptmannes Eduard Wallnöfer aufgestellt werden. Und das trotz seiner verschwiegenen NSDAP-Mitgliedschaft und seines ‚schlampigen Umgangs‘ bei der Entnazifizierung durch eine geschönte Biographie“, kritisiert Josef Stingl, für den Landesverband Tirol der AntifaschistInnen, WiderstandskämpferInnen und Opfer des Faschismus (KZ Verband/VdA Tirol).

Weiters meint Stingl: „Kritik an ihren Götzen ist den herrschenden Tiroler Schwarzmandern und -weiberleut offensichtlich scheißegal. Trotz breiter Ablehnung der Büste seitens der Grünen, der SPÖ, dem Landeskulturbeirat, den Sozialdemokratischen Freiheitskämpfer_innen, dem KZ-Verband/VdA-Tirol, zahlreicher Antifaschistinnen und Antifaschisten, und, und, und soll die Errichtung der Wallnöfer-Büste von den ÖVP-Granden auf dem gewachsenen antifaschistischen Gedenkort Landhausplatz ohne Rücksicht auf Verluste durchgezogen werden.“

Eine Vorgangsweise die vielen sauer aufstoßt. Die Anzahl der Unterstützer_innen, der ans Land Tirol gerichteten Online-Petiton „Nein zur Wallnöfer-Büste am Landhausplatz“  hat sich alleine gestern verdoppelt. Einige Kommentare dazu:

Die Statue hat keine Berechtigung, weil die Verdienste und auch die Vergangenheit des Herrn Wallnöfer nicht unumstritten sind. € 130.000.- könnte im sozialen Bereich viel besser eingesetzt werden.“

Weil a) 130.000 Euro sinnvoller investiert werden sollen b) es nicht sein kann, dass Steuergelder (vom Land und den Gemeinden) OHNE Abstimmung von einem einzigen Politiker verwendet werden c) weil es nicht sein kann, dass ein Kunstwerk mit diesem finanziellen Rahmen OHNE Ausschreibung an einen einzigen Künstler einfach so vergeben wird.“

Gegen die Oberflächlichkeit, mit der in Österreich mit der Vergangenheit umgegangen wird, so, als hätte niemand etwas mit der NS-Vergangenheit zu tun gehabt.“