Fidel Castro ist tot

castoZum Tod von Fidel Castro. Ein Rückblick von Stefan Krenn.

Fidel Castro Ruz feiert am 13. August noch seinen 90. Geburtstag. Er war der am längsten dienende Staatsmann.

Vom rebellischen Studentenführer, als Rechtsanwalt für Arme und politisch Verfolgte, entwickelte er sich zum Kämpfer gegen die Diktatur Batista (einer US Marionette). Er stürmte mit seinen Mitstreitern am 26. Juli 1953 die Moncada-Kaserne in Santiago. Nach dem Fehlschlag dieser bewaffneten Aktion verteidigte er sich selbst mit der berühmt gewordenen Rede »La historia me absolvera« (Die Geschichte wird mich freisprechen).

Er führte die tiefe Armut des größten Teils der Bevölkerung, Kindersterblichkeit, Gangstertum, Prostitution und politische Korruption als Gründe für den Aufstand an und verkündete dabei seine Pläne für die Gestaltung eines neuen, fortschrittlichen Cubas: eine umfassende Landreform zugunsten Hunderttausender landloser Bauern, Aufbau eines staatlichen Gesundheitswesens, Alphabetisierung und Bildung für alle. Castro und seine 27 Mitgefangenen wurden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt und auf die Gefängnisinsel »Isla de Pinos« deportiert. Am 15.Mai 1955 wurden die »Moncadistas« durch eine Generalamnestie entlassen und emigrierten nach Mexico. Dort traf Castro auf den argentinischen Arzt Ernesto Guevara, genannt »Che«; dieser beschloss gemeinsam mit Fidel und seinen 82 Mitstreitern auf der Jacht »Granma« nach Cuba zurückzukehren und den revolutionären Kampf aufzunehmen. Die Fahrt geriet zum Desaster, bei der Landung wurden sie bereits von Militär erwartet. Beinahe alle Waffen gingen verloren, doch es gelang den überlebenden Revolutionären, sich in die Sierra zu retten. Innerhalb einer kurzen Zeitspanne gelang es den »Fidelistas« eine schlagkräftige Guerillatruppe aufzubauen, die von der Bevölkerung Unterstützung erhielt. Im Verlauf der Kämpfe wurden 3 Fronten aufgebaut; dem Heer konnten zahlreiche Niederlagen zugefügt werden.

Die Schlacht um St. Clara unter dem Kommando von Che brachte die Wende und Fidel verkündete am 1. Jänner 1959 vom Balkon der Rathauses in Santiago den Sieg der Revolution. Die Truppen von Che und Camilo Cienfuegos zogen unter dem Jubel Hunderttausender in Havanna ein, während sich der gestürzte Diktator Batista unter Mitnahme der millionenschweren Staatskasse ins Ausland absetzte.

Nach rasch umgesetzten Reformen wurde der Druck der US-Regierung immer heftiger; Überfälle durch von der amerikanischen Regierung finanzierte Sabotage- und Mördertrupps, die rund 3.700 Tote und zahllose Verletzte forderten, waren an der Tagesordnung. Anfang 1961 plante die US-Regierung ein Landeunternehmen am »Playa Giron« (Schweinebucht) wo rund 1500 exilkubanische Söldner mit aktiver Beteiligung der US Marine ein Landungsunternehmen durchführten. In nur 72 Stunden war der Spuk beendet und ein Großteil der Invasoren gefangengenommen.

Aufgrund seiner prinzipientreuen und sozialen Haltung wurde Fidel Castro weltweit zu einem Vorbild von Millionen rebellischer Jugendlicher, einem Motor des antikolonialen Aufbruchs, der Bewegung der Blockfreien und zu einem der wichtigsten Akteure der internationale Solidarität und des Antirassismus. Cuba war das erste Land der Welt, das Antirassismus in die Verfassung aufnahm.

Herausragend für den internationalistischen Charakter der kubanischen Gesellschaft ist die militärische Bruderhilfe von 1975 in Angola, dessen fortschrittliche Regierung Augustino Netos vom südafrikanischen Militär von der völligen Vernichtung bedroht war. Den kubanischen Interbrigadisten gelang es, die südafrikanischen Elitetruppen zu schlagen und auch aus Namibia zu verdrängen. Dieses militärische Desaster trug maßgeblich zum Sturz der Apartheid im südlichen Afrika bei. Sehr hoch einzuschätzen ist auch die Hilfe für Nicaragua, wo tausende kubanische Lehrer, Ingenieure, Ärzte zum Aufbau des bettelarmen Landes beitrugen.

Das Engagement im Bereich internationaler Solidarität, das Cuba weltweite Anerkennung verschaffte, verlagerte sich auf zivile, aber nicht minder wichtige Sektoren. Kubanische Ärzte u.a. medizinische Personal waren stets an vorderster Stelle, wenn andere Länder nach großen Katastrophen betroffen waren. Einige besondere Beispiele sind dabei hervorzuheben. Nach einem verheerenden Erdbeben in Pakistan war sofort die Brigade »Henry Reeves« vor Ort und ist heute noch zum Teil in besonders betroffenen Gebieten stationiert. Ausgezeichnet von der UNO erhielten sie den Ehrennamen »Ärzte mit den Wollmützen«.

48 Stunden nach dem ein schweres Erdbeben Haiti verwüstete, waren wiederum kubanische Ärzte zur Stelle, um rasche medizinische und technische Hilfe zu leisten. An vorderster Front arbeitet auch medizinisches Personal bei der Ebola-Epidemie und der Bekämpfung von AIDS im südlichen Afrika. Fidel formulierte diese Politik folgendermaßen:

»Wir geben nicht nur das, was wir übrig haben, sondern teilen, was wir haben. Das ist der Humanismus, der die kubanische Gesellschaft prägt.«

Er gab Anfang August des Jahres 2006 bekannt, dass er alle seine Ämter und Funktionen zurücklegen werde und im Februar 2008 setzte er diesen Beschluss um. Seitdem trat er nur noch schriftlich an die Öffentlichkeit. Der vorletzte öffentliche Auftritt galt dem Besuch des Papstes im heurigen Jahr.

Am 7. Parteikongress der Kommunistischen Partei Cubas vom 16. bis 19. April 2016 verabschiedete sich Fidel mit seiner »Schlussrede an die Lateinamerikanischen Völker und die Welt«:

»Vielleicht geht jedoch heute die größte Gefahr für die Erde von der zerstörerischen Macht der modernen Waffen aus, die den Frieden auf dem Planeten untergraben und das menschliche Leben auf der Erde unmöglich machen könnte. […] Wie kann man Milliarden von Menschen ernähren, wenn die Wirklichkeit unumgänglich an ihre Grenzen stößt, was des Trinkwasser und die natürlichen Ressourcen angeht, die sie benötigen. […] Wer wird die dürstenden Völker Afrikas ohne Zugang zu Technologie, ohne Regen, ohne Stauseen, wo es nur unterirdische, von Sand bedeckte Wasserdepots gibt, ernähren? Wir werden sehen, was die Regierungen sagen, die fast alle die Klimaverpflichtungen unterzeichnet haben.

Bald werde ich 90 Jahre alt sein, das hätte ich nie gedacht, es geschieht nicht als Ereignis einer Anstrengung, es ist reiner Zufall. Alle kommen wir an die Reihe, aber die Ideen der kubanischen Kommunisten verbleiben als Beweis dafür, dass auf diesem Planeten, wenn man mit Inbrunst und Würde arbeitet, die materiellen und kulturellen Güter produziert werden können, die die Menschen brauchen, und wir müssen unermüdlich kämpfen, um sie zu erhalten. Unseren Brüdern und Schwestern in Lateinamerika und der Welt müssen wir vermitteln, dass das kubanische Volk siegen wird.«

Im Jahr 2002 unterstrich er:

»Die Waffen, die in den Arsenalen der Mächtigen und Reichsten angehäuft und immer moderner werden, können zwar Analphabeten, Kranke, Arme und Hungernde töten, nicht aber Unwissenheit, Krankheit, Armut und Hunger beseitigen. Ein für allemal sollte gesagt werden: „Die Waffen nieder“ Es muss etwas getan werden, um die Menschheit zu retten. Eine bessere Welt ist möglich!«

Fidel Castro ist am 25. November in Havanna verstorben.

Stefan Krenn ist Vorsitzender des Vereins »Buena Vista – Solidarität mit Cuba«.

(vom Volksstimme-Blog übernommen)