Mindestlohn verlangt Mindest-Lehrlingsentschädigung

Nach der 1.500-Euro-Mindestlohnforderung werden nun immer öfter Stimmen nach einer „Mindest-Lehrlingsentschädigung“ laut. „Aktuell ist ihre Entlohnung spärlich, besonders in typischen Frauenberufe, etwa als Friseurin mit 390 Euro netto, Bäckerin 394 Euro netto, Fotografin 365 Euro netto etc. Das muss sich ändern. Deshalb muss es einen Mindestlohn von 500 – 600 Euro netto für Jugendliche im 1. Lehrjahr geben“, fordert etwa der Grüne Bundesrat David Stögmüller.

Dem schließt sich die Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) an. Diese befürchtet, dass mit der Einführung des Mindestlohns der Abstand zwischen Lehrling und Hilfs- bzw. Facharbeiter_innen stark ansteigt. Gerade jetzt böte sich die einmalige und historische Gelegenheit, ein starkes Zeichen an die Facharbeiter_innen von morgen zu senden mit der Botschaft: „Wir sind für euch da und schätzen eure Arbeit!“ Daher die Forderung nach 700-Euro-Mindest-Lehrlingsentschädigung.

Warum nur 700 Euro?“ war meine Frage auf ihren Facebook-Account. Lautet die Gewerkschaftsformel nicht: „Im 1. Lehrjahr 60 Prozent, im 2. Lehrjahr 70 Prozent und im 3. Lehrjahr 80 Prozent vom Facharbeiter_innen-Lohn“. Bei der 1.700 Euro ÖGB-Mindestlohnforderung wären das mindestens 1020 Euro. Die Antwort lies nicht lange warten: „Moment, erstmal geht es um die Debatte 1500 Euro und nicht um 1700 Euro. Mit 700 Euro erwischen wir 95 Prozent der Lehrberufe im 1.Lehrjahr – lieber diesen Menschen geholfen als nichts umgesetzt, aber viel gefordert.

Liebe Jungkolleg_innen warum dann nicht 825 Euro, das wären die 60 Prozent von den erwähnten 1500 Euro? Abgesehen, dass man sich mE mit der 700-Euro-Forderung unnötigerweise selbst den ohnehin schon schwer bewältigbaren Weg abgräbt, frage ich mich, ob man uns die Wertschätzung der Lehrlinge abkauft, wenn wir selbst den Wert ihrer Ausbildung mit weniger als der Hälfte eines Facharbeiter_innenlohn bewerten?