»Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut«,…

… so lautete eine Antwort, die ich auf Facebook bekam, weil ich mir erlaubte den Friseur_innen-KV-Abschluss weniger erfreulich zu sehen als mancher FSG-Gewerkschafter und manch FSG-Gewerkschafterin. Worum geht`s? Die Antwort gibt die Homepage der Gewerkschaft vida: »Beim Thema „Mindestlohn 1.500 Euro“ sind wir nicht zu bremsen! Wir können jetzt den nächsten Erfolg verbuchen: Für tausende Friseur_innen in Österreich ist 2018 das letzte Jahr in dem sie unter 1.500 brutto verdienen.«

Geradezu euphorisch dann die Vorsitzende des vida-Fachbereichs Dienstleistungen Christine Heitzinger: Sie bezeichnet den Verhandlungserfolg als wichtiges Signal: »Die hervorragenden Leistungen der heimischen Friseur_innen gehören menschenwürdig entlohnt. Von Arbeit muss man leben können. Ich freue mich, dass wir unser Ziel, den Mindestlohn auf 1.500 Euro anzuheben, im Jahr 2019 erreicht haben! «

Ja, ich stehe dazu, mir schmeckt dieser Abschluss nicht! Abgesehen davon, dass von den 1.500 Euro brutto tatsächlich ohnehin nur 1.199 Euro (gerade etwas mehr als die Armutsschwelle) ins Börsel wandern, heißt es für die Kolleginnen und Kollegen Friseur_innen weiterhin zwei Jahre lang selbst unter diesem Hungerslohn ein noch bescheideneres Einkommen ohne wirkliches Auskommen zu haben.

Oder anders gesagt: Ja, Rom wurde nicht an einem Tag erbaut, aber die Bauzeit kostete zahlreichen Sklaven das Leben. Der um zwei Jahre verspätete Mindest-Mindestlohn von 1.500 Euro brutto kostet für die Haare schneidenden Lohnsklaven und -sklavinnen existenziell zwar nicht das Leben, aber ein menschenwürdiges Leben wird damit sicherlich nicht gewährleistet.

Ein klassisches Beispiel mehr, dass Kerns A-Plan eines 1.500-Euro-Mindestlohn unter Mithilfe der Sozialpartner_innen bis zum Juli dieses Jahres klar gescheitert ist. Daher gleich und sofort einen lohnsteuerfreien gesetzlichen Mindestlohn von 1.700 Euro, wertgesichert und gekoppelt mit einer Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich!