Innsbruck Spitzenreiter beim Frauenvolksbegehren

Mit 4.4. wurden die gesammelten Unterstützungsunterschriften für das Frauen*Volksbegehren 2.0 beim Innenministerium eingereicht und somit die offizielle Einleitung des Volksbegehrens gestartet. Der Innenminister gibt nun bis Ende April das Datum der Eintragungswoche bekannt. Laut gesetzlicher Vorgaben kann dies zwischen Mitte Juni und Ende Oktober sein.

Jede bereits geleistete Unterschrift zählt auch für die Eintragungswoche, es muss kein zweites Mal eine Unterschrift abgegeben werden. Österreichweit wurden 247.436 Unterschriften gesammelt, dies sind 3,88 % aller Wahlberechtigten über 16 Jahre.

„Die Tiroler AktivistInnen des Frauen*Volksbegehrens 2.0 haben zahlreiche Aktionen, Folder-Verteilungen und Gesprächsrunden in Innsbruck, Landeck, Imst, Reutte, Wörgl, St. Johann und Lienz durchgeführt und viele Medienkontakte hergestellt“, so Mag.a Elisabeth Grabner-Niel, Tirol Koordinatorin des Frauen*Volksbegehrens.

Tirol liegt mit 3,42 % der Wahlberechtigten und 18.498 UnterzeichnerInnen genau in der Mitte aller Bundesländer (nach Wien mit 6,01 %, OÖ mit 3,78 %, NÖ mit 3,48 % und Burgenland mit 3,47 % und gefolgt von der Steiermark mit 3,31 %, Salzburg 3,14 %, Kärnten mit 3,1 % und Vorarlberg mit 2,7 %). „Besonders erfreut sind wir vom Erfolg in Innsbruck: Die Tiroler Landeshauptstadt steht an erster Stelle aller Landeshauptstädte inkl. Wien mit 6,18 % der Wahlberechtigten (5.429 UnterzeichnerInnen) Zum Vergleich: Graz mit 6,02 % und Wien mit 6,01 % der Wahlberechtigten.

In den ländlichen Gebieten ist es uns mangels Ressourcen und ausreichender Kontakten noch nicht so gut gelungen, die Inhalte des Volksbegehrens
zu einem Gesprächsthema im Alltag zu machen. Die Zusammenhänge zwischen unzureichenden Betreuungsangeboten für Kinder (Stichwort Mittagstisch, Tages- und Jahresöffnungszeiten) und weiblicher Altersarmut, den geschlechtsspezifischen Lohnunterschieden und stereotypen
Rollenzuschreibungen erschließen sich erst durch eine genauere Befassung mit der zugrunde liegenden gesellschaftlichen Arbeitsteilung zwischen Frauen und Männern.

Viele der konkreten Lebensumstände von Frauen und die damit verbundenen Schwierigkeiten, die in den Forderungen des
Frauen*Volksbegehrens angegriffen werden, werden gemeinhin fälschlicherweise als individuelle Probleme verstanden, wie z.B. Einkommensunterschiede, die Art der Erwerbsbeteiligung (Teilzeit oder Vollzeit) oder die unterschiedliche Beteiligung an unbezahlter Arbeit wie Versorgung von Kindern und Pflegebedürftigen und Haushalt. Da möchten wir noch viel Informationsarbeit vor der Eintragungswoche leisten. Wir haben die Erfahrung gemacht: im direkten Dialog mit Interessierten können wir die Wichtigkeit unserer Forderungen gut verständlich machen“ erläutert Grabner-Niel zu den Tiroler Zahlen.

Infobox zum Volksbegehren

Die Initiative zum Frauen*Volksbegehren 2.0 (das erste fand 1997 statt) ist eine breite unabhängige Bewegung aus der Zivilgesellschaft, die grundlegende Kritik an den geringeren Chancen zur politischen und wirtschaftlichen Teilhabe von Frauen äußert und mit den aufgestellten Forderungen verändern möchte.

Die Aktivistinnen des Frauen*Volksbegehrens setzen sich gemeinsam dafür ein, dass

• Frauen und Männer für gleichwertige Arbeit gleich viel verdienen,
• an den Entscheidungstischen in Politik und Wirtschaft Frauen und Männer zu gleichen Teilen vertreten sind,
• die bezahlte und unbezahlte Arbeit auf beide Geschlechter gleich verteilt und schrittweise eine 30 Stunden Woche eingeführt wird,
• Armut bekämpft wird und Alleinerziehende einen existenzsichernden staatlichen Unterhaltsvorschuss erhalten,
• Eltern einen Rechtsanspruch auf kostenlose, qualitativ hochwertige Kinderbetreuung haben, die mit einem Vollzeitjob vereinbar ist,
• Vielfalt gelebt wird, auch indem Respekt für alle Geschlechter in Medieninhalten, Schulbüchern, Spielzeug, Kultur alltäglich ist,
• Frauen und Mädchen frei von Zwängen über ihre Sexualität bestimmen können,
• Frauen und Mädchen auf der Flucht, bzw. im Asyl besonderen Schutz vor Gewalt erfahren,
• Gewaltschutz und Gewaltprävention offensiv ausgebaut werden.

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