Alltägliche Menschlichkeit oder Menschlichkeit versus Alltag?

Gestern zogen unter dem Motto „Flüchtlinge willkommen!“ zehntausende Menschen durch Wien – ebenso ein großartiges Zeichen der Menschlichkeit, die  über hunderttausend Menschen beim anschließenden Konzert „Voices for Refugees“ am Heldplatz. Heute ist wieder im Alltag angesagt. Und da gibt’s Menschen, die den Flüchtlingen mit Solidarität, Hilfsbereitschaft und persönlichen ehrenamtlichen Engagement begegnen und Menschen denen die Flüchtlingswelle Angst um ihre eigene Existenz verursacht.

13Grenzen wir diese Menschen nicht aus, reden wir mit ihnen – wenn notwendig wanderpredigerartig! Beispielsweise zum Thema unleistbarer Wohnraum – kein Problem gestiegener Flüchtlingsströme, sondern eines, dass wir schon lange kennen. Gemeindewohnbau ist seit Langen ein Fremdwort, der Ersatz der Genossenschaftswohnungen orientiert sich immer mehr an marktorientierten und statt sozialen Mieten. Die Listen der Wohnungssuchenden werden bei den Gemeinden, trotz immer regressiver Zugangsbestimmungen, immer länger. Private Vermeiter_innen reiben sich die Hände, sie können so verlangen was sie wollen. Da Mensch aber Wohnen muss sind ihre Profite so gesichert .

Ein öffentlicher Investitionsschub ist notwendig: Eine Wiederbelebung des sozialen Wohnungsbaus schon lange erforderlich und jetzt unausweichbar. Gleiches gilt beim Gesundheitswesen, bei der Bildung und so weiter. Der positive Nebeneffekt dabei, gesteigerte Investitionen bringen zusätzliche Arbeitsplätze, diese wieder zusätzliche Kaufkraft und das kurbelt die Gesamtwirtschaft an…

Viele haben erkannt, so kann es nicht weiter gehen – sie kehren der herrschenden Politik den Rücken. Ein „rechter Seelenfänger“ nutzt der Gunst der Stunde, er verstärkt noch das Gefühl, dass Flüchtlinge, Zuwander_innen, Arbeitslose usw. schuld an den bescheidenen Lebensbedingungen der Bevölkerung sind. Nur, in ihren Entscheidungen sind die Freiheitlichen wie die anderen. „Der kleine Mann (die kleine Frau)“ ist ihnen schurzegal, sie stehen auf Seiten „der Reichen und Schönen“. Ihr Unterschied zu derzeitigen Herrschaft ist, dass sie den neoliberalen Wahn noch mit Nationalismen, Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung verschärfen. Haben sie das „Ausländer_innen-Problem“ endgelöst – wer ist dann ihr neues Feindbild?