Arme Raben, faule Bienen?

Dieser Tage krächzte „der Rabe“ wieder einmal kräftig. In der TT weinte er herzzerreißend, dass seine Arbeitsbienen nach Abzug der Sams- und Sonntage, Urlaub und durchschnittlichen Krankenstand nur sieben Monate im Jahr für ihn fliegen würden. Die restlichen fünf Monate verbringen sie faul in ihrem Bienenstock. Und, welch Katastrophe, ihre Interessengemeinschaft, die Gewerkschaft, will ihnen jetzt mit einer sechsten Urlaubswoche und einer flächendeckenden Freizeitoption noch zehn weitere Tage zum Faulenzen verschaffen.

Lieber Rabe,

ich böser Gewerkschaftsfuzzi sage dir, deine Milchmädchenrechnung stimmt nicht! In Österreich fallen jährlich 296 Millionen Überstunden an. Das sind bei den 3,5 Millionen Arbeitsbienchen durchschnittlich 85 Stunden, bzw. elf Arbeitstage pro Kopf und Nase zusätzlich. Ein Viertel davon werden von ihren Rabenkindern nicht einmal bezahlt. Warum kehren sie nicht vor ihrem Nest und widmen ihre 365 Tage im Jahr dazu dass ihre „schwarzen Schafe“ nicht sprichwörtlich stehlen wie die (ebenfalls schwarzen) Raben?

Lieber Rabe,

aber auch aus anderen Gründen stimmt ihre Rechnung nicht. Es zählt nicht wie lange die Bienchen fliegen, sondern auch wie fleißig sie dabei sind. Ein Blick nach Schweden wird sie verwundern. Dort gibt es Kolleg_innen ihrerseits, die ihre Arbeitsbienen weniger als wie von ihnen gefordert mehr arbeiten lassen und sie machen interessante Erfahrungen damit: Toyota hat bereits bereits vor 13 Jahren das Experiment 6-Stunden-Arbeitstag bei gleicher Bezahlung gewagt.

Die Logik dahinter: Mit kürzerer Arbeitszeit sind die Bienchen motivierter und konzentrierter und die Krankenstände gehen zurück. Ist vielleicht Arbeitszeitverkürzung mit Lohnausgleich vielleicht auch in Österreich ein sinnvolles Modell?