Religionsfreiheit gebietet Werbeverbot?

von Josef Stingl
Was gibt es in Australien, Deutschland, Italien, Kanada, der Niederlande, Schweden, der Schweiz, Spanien, Großbritannien und der USA was in Österreich verpönt ist? In besagten Ländern ist es möglich auf öffentlichen Bussen "gottlose" Werbebotschaften zu den Menschen zu bringen, in Innsbruck, Graz und Wien aber nicht - hier wurde die Buswerbung abgelehnt. Wien bot zumindest als Alternative einige Gewista-City-Lights an, an denen jetzt seit einigen Tagen die Botschaften:
- Es gibt keinen Gott. Gutes tun ist menschlich. Auf uns kommt es an.
- There's probably no God. Now stop worrying and enjoy your life.
- Gott ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein tschechischer Schlagersänger. Entspann dich. Er wird dir nichts tun.
In Innsbruck meinte zu dem Anliegen der bezahlten Atheismus-Kampagne auf den öffentlichen Verkehrsmitteln der Agentur Super-Fi gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft AtheistInnen und AgnostikerInnen für ein säkulares Österreich (AG-ATHE), der Arbeitsgemeinschaft Humanismus und Atheismus (AHA) und dem Freidenkerbund für die Innsbrucker Verkehrsbetrieben (IVB) der handlungsbevollmächtigte Bereichsleiter des Fuhrparkmanagment Ing. Harald Jösslin: „Als öffentliches Verkehrsunternehmen sind wir bestrebt keinerlei Werbung zuzulassen, die für einzelne Personen oder Gruppen beleidigend wirken könnte.“ „Religionspolitische Diskussionen sind gesellschaftspolitisch sehr wichtig, sollten aber nicht in oder auf öffentlichen Verkehrsmitteln ausgetragen werden“, ist wiederum in der Ablehnung der Grazer Stadtwerke für kommunale Betriebe zu lesen. Sind sie damit nicht päpstlicher als der Papst? Immerhin meinte pointiert dazu der Sprecher der Erzdiözese Wien, Erich Leitenberger: "Schon Nietzsche hat behauptet 'Gott ist tot' - nach einiger Zeit hat sich herausgestellt, Nietzsche ist tot und Gott lebendig." Er könne sich schwer vorstellen, dass eine solche Werbung Spuren hinterlässt, schließlich scheine die Zahl der "überzeugten Atheisten" zu schrumpfen, während Religion in jüngster Zeit wieder eine zentralere Rolle einnehme. Grundsätzlich sei das Gespräch über Gott und seine Existenz "immer zu begrüßen".
Auch der Österreichische Werberat hat sich mit besagter Kampagne beschäftigt. Dieser ist mit knapper Mehrheit zur Überzeugung gekommen, dass auch für den Atheismus das Prinzip der Religionsfreiheit gilt, wenn auch mit Beschwerden zur rechnen sei. Bleibt für mich die Frage offen, sind die Ablehnungen Scheinmoral oder fehlende Toleranz Andersdenkenden gegenüber? Fürs heilige (katholische) Tirol zusammengefasst heißt das wahrscheinlich: "Keine anderen (un)religiösen Werbebotschaften, weder atheistische noch islamische, jüdische und, und, und ...

