Category Archives: Pro&Contra-Mindestlohn

Dem Handwerk das Handwerk legen

1.500 Euro Mindestlohn, das fordert die Bundesregierung von den Sozialpartner_innen bis zum Sommer – netto sind das 1.198,90 Euro. Eigentlich schon ein Grund zum Fremdschämen, liegt doch die offizielle Armutsschwelle in Österreich gerade mal 35 Euro unter dieser Summe. Aber es geht noch übler:

Mindestlohn verlangt Mindest-Lehrlingsentschädigung

Nach der 1.500-Euro-Mindestlohnforderung werden nun immer öfter Stimmen nach einer „Mindest-Lehrlingsentschädigung“ laut. „Aktuell ist ihre Entlohnung spärlich, besonders in typischen Frauenberufe, etwa als Friseurin mit 390 Euro netto, Bäckerin 394 Euro netto, Fotografin 365 Euro netto etc. Das muss sich ändern. Deshalb muss es einen Mindestlohn von 500 – 600 Euro netto für Jugendliche im 1. Lehrjahr geben“, fordert etwa der Grüne Bundesrat David Stögmüller.

Mindestlöhne weltweit

Die Mindestlöhne in den EU-Staaten sind zuletzt gewachsen. Das teilte das WSI der Hans-Böckler-Stiftung mit. 21 der 28 EU-Länder haben ihre gesetzlichen Lohnuntergrenzen zum 1. Januar oder während des vergangenen Jahres angehoben. Deutschland liegt dabei mit 8,84 Euro im oberen Drittel. Trotzdem sei der Mindestlohn gemessen am mittleren Lohnniveau in vielen Ländern noch recht niedrig, so das WSI. (Anmerkung der iZ-Redaktion: Österreich hat keinen einheitlichen Mindestlohn. Der derzeit niedrigste Kollektivvertrag, also damit der unterste gültige Mindestlohn ist der aktuelle KV für Zeitungen/Expeditarbeiter_innen. Er sieht für Zusteller_innen umgerechnet eine Stundenlohn von 5,08 Euro – brutto wohlgemerkt – vor.)

Mindestlohn ein Hindernis?

Der Fachverband  Textil-, Bekleidungs-, Schuh und Lederindustrie in der WKO jammert: „Die Anhebung der bestehenden Mindest-KV-Löhne auf 1.500 Euro löst eine Steigerung der Lohnkosten von 20 % aus. Diese außerordentliche Lohnkostenprogression können jedoch weder die industriellen Wäschereien im nationalen Preiskampf noch die Bekleidungshersteller im internationalen Wettbewerb weitergeben“, schreiben sie in einer APA-OTS-Meldung.

Leist zum Welttag für soziale Gerechtigkeit: 1.700 Euro Monatslohn sind das mindeste!

Anlässlich des heutigen Welttages für soziale Gerechtigkeit bekräftigt Tirols ÖGB-Vorsitzender Otto Leist seine Forderung nach einem kollektivvertraglichen Monatslohn von 1.700 Euro brutto. „Das Aus für Niedriglohnbranchen wäre ein wichtiger Schritt zu sozialer Gerechtigkeit. Die Armutsgefährdungsschwelle liegt nachweislich bei einem monatlichen Bruttoeinkommen von 1.500 Euro“, so Leist. Derzeit verdienen in Österreich 138.000 Menschen, die einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen, weniger als 1.500 Euro brutto.

Diese 4 Länder zeigen, dass der Mindestlohn keine Arbeitsplätze vernichtet

Die Regierung plant einen Mindestlohn von 1.500 Euro bis Sommer 2017. Seit das Vorhaben bekannt ist, überschlagen sich industrienahe Think Tanks wie EcoAustria und Agenda Austria mit drastischen Prognosen: Der Mindestlohn würde zu einer Verlagerung von Arbeitsplätzen ins billige Ausland führen, Investitionen unattraktiver machen und Preise erhöhen. Ähnlich drastische Prognosen gab es auch in Deutschland vor der Einführung des Mindestlohns vor zwei Jahren – keine davon hat sich bewahrheitet. Die einzig empirisch belegte Folge eines Mindestlohns ist, dass die Löhne im Niedriglohnbereich steigen.

Streit um Mindestlohn

Die geplante Erhöhung des Mindestlohns auf 1500 Euro brutto beschäftigte gestern, Donnerstag, nicht nur den Sozialausschuss des Parlaments, sondern auch die politischen Akteure.
Gewerkschaft und Arbeiterkammer argumentierten, dass die Erhöhung keine Arbeitsplätze kosten würde. Sie reagierten damit auf eine Berechnung des Think-Tanks Agenda Austria, wonach der Mindestlohn mindestens 20.000 Jobs vernichten würde, davon 1050 im Handel und 2900 im Gewerbe.

Furtlehners Blog: 1.700 Euro Mindestlohn am Sankt Nimmerleinstag?

„Was ist uns die Arbeit wert?“ fragt der ÖGB im Gewerkschaftsblatt „Solidarität“ zu den Verhandlungen der Sozialpartner über einen Mindestlohn, der diesen von der Regierung verordnet wurde. Die Fakten sind beschämend: 356.500 Berufstätige (149.100 Vollzeit- und 207.400 Teilzeitbeschäftigte) – davon zwei Drittel Frauen – verdienen laut Statistik Austria weniger als 1.500 Euro brutto (1.199 Euro netto) monatlich.

GLB: „Industriellenvereinigung als gewöhnliche Lohnräuber“

Wien – Im, von der Regierung an die Sozialpartner delegierten, Streit um einen österreichweit einheitlichen Mindestlohn und die von Seiten der Wirtschaft geforderten Arbeitszeitflexibilisierung, wird der Ton zunehmend rauher. So bezeichnet Josef Stingl, Bundesvorsitzender der Fraktion Gewerkschaftlicher Linksblock im ÖGB (GLB), in einer Aussendung am Mittwoch, die Industriellenvereinigung und die Wirtschaftskammer als „gewöhnliche Lohnräuber“. Und er spart auch nicht mit Kritik an NEOS-Sozialsprecher Gerald Loacker, den er als „Asozialsprecher“ bezeichnet, der im Vorfeld wiederum die Arbeiterkammer heftig kritisiert hatte.

Vida-Chef Hebenstreit: „Brutaler Lohnraub“

profil: Die Regierung gibt den Sozialpartnern bis Juni Zeit, sich über eine Arbeitszeitflexibilisierung zu einigen. Die Wirtschaft sagt: Gearbeitet werden soll, wenn Arbeit anfällt. Was haben Sie dagegen?
Roman Hebenstreit: Flexibilisierung klingt schön. Wovon aber reden wir? Im Arbeitszeitgesetz geht es um Willensfreiheit. Der Arbeitnehmer ist im Verhältnis zum Arbeitgeber der Schwächere und soll geschützt werden, und zwar nicht nur im klassischen Sinne vor Gefahren für Leib und Leben, sondern auch gegen Willkür.