Category Archives: Pro&Contra-Mindestlohn

»Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut«,…

… so lautete eine Antwort, die ich auf Facebook bekam, weil ich mir erlaubte den Friseur_innen-KV-Abschluss weniger erfreulich zu sehen als mancher FSG-Gewerkschafter und manch FSG-Gewerkschafterin. Worum geht`s? Die Antwort gibt die Homepage der Gewerkschaft vida: »Beim Thema „Mindestlohn 1.500 Euro“ sind wir nicht zu bremsen! Wir können jetzt den nächsten Erfolg verbuchen: Für tausende Friseur_innen in Österreich ist 2018 das letzte Jahr in dem sie unter 1.500 brutto verdienen.«

Mindestlohn als Zeichen für Gerechtigkeit

Österreich sei bei der Einkommensgerechtigkeit nach wie vor eines der Schlusslichter in Europa, heißt es von Seiten des Gewerkschaftsbundes. Dieser setzt anlässlich des Internationalen Frauentags ein Zeichen. „1500 Euro Mindestlohn wären ein großer Schritt zu mehr Gerechtigkeit, weil in schlecht entlohnten Branchen sehr viele Frauen arbeiten“, erklärt ÖGB-Regionalsekretär Peter Schoberleitner.

Mindestlohn: Bis jetzt klar vergeigt…

Während ihre Chefs zu den Spitzenverdienern im Land zählen, kommen die überwiegend weiblichen Bürokräfte in Österreichs Rechtsanwaltskanzleien auf ein recht karges Salär. Bei den Anwälten gibt es nur eine „Entlohnungsrichtlinie“, also Gehaltsempfehlung und diese liegt bei 1.250 Euro brutto im Monat. Für die Gewerkschaft GPA-djp  „völlig inakzeptabel“, schließlich soll auf Geheiß der Regierung bis Jahresmitte ein generelles Mindestniveau von 1500 Euro erreicht werden.

Löhne 2016: Österreich mit fünftniedrigster Steigerung in EU

Österreich musste sich 2016 mit einer Lohnsteigerung von 0,32 Prozent und damit dem fünftletzten Platz in der EU begnügen. Der Europäische Gewerkschaftsbund veröffentlichte am Montag eine Studie, wonach Rumänien mit 8,94 Prozent den höchsten Lohnzuwachs gegenüber dem Jahr davor aufwies. Auf der anderen Seite rangierte Belgien als einziges Land mit einem Rückgang (–0,94 Prozent).

Dem Handwerk das Handwerk legen

1.500 Euro Mindestlohn, das fordert die Bundesregierung von den Sozialpartner_innen bis zum Sommer – netto sind das 1.198,90 Euro. Eigentlich schon ein Grund zum Fremdschämen, liegt doch die offizielle Armutsschwelle in Österreich gerade mal 35 Euro unter dieser Summe. Aber es geht noch übler:

Mindestlohn verlangt Mindest-Lehrlingsentschädigung

Nach der 1.500-Euro-Mindestlohnforderung werden nun immer öfter Stimmen nach einer „Mindest-Lehrlingsentschädigung“ laut. „Aktuell ist ihre Entlohnung spärlich, besonders in typischen Frauenberufe, etwa als Friseurin mit 390 Euro netto, Bäckerin 394 Euro netto, Fotografin 365 Euro netto etc. Das muss sich ändern. Deshalb muss es einen Mindestlohn von 500 – 600 Euro netto für Jugendliche im 1. Lehrjahr geben“, fordert etwa der Grüne Bundesrat David Stögmüller.

Mindestlöhne weltweit

Die Mindestlöhne in den EU-Staaten sind zuletzt gewachsen. Das teilte das WSI der Hans-Böckler-Stiftung mit. 21 der 28 EU-Länder haben ihre gesetzlichen Lohnuntergrenzen zum 1. Januar oder während des vergangenen Jahres angehoben. Deutschland liegt dabei mit 8,84 Euro im oberen Drittel. Trotzdem sei der Mindestlohn gemessen am mittleren Lohnniveau in vielen Ländern noch recht niedrig, so das WSI. (Anmerkung der iZ-Redaktion: Österreich hat keinen einheitlichen Mindestlohn. Der derzeit niedrigste Kollektivvertrag, also damit der unterste gültige Mindestlohn ist der aktuelle KV für Zeitungen/Expeditarbeiter_innen. Er sieht für Zusteller_innen umgerechnet eine Stundenlohn von 5,08 Euro – brutto wohlgemerkt – vor.)

Mindestlohn ein Hindernis?

Der Fachverband  Textil-, Bekleidungs-, Schuh und Lederindustrie in der WKO jammert: „Die Anhebung der bestehenden Mindest-KV-Löhne auf 1.500 Euro löst eine Steigerung der Lohnkosten von 20 % aus. Diese außerordentliche Lohnkostenprogression können jedoch weder die industriellen Wäschereien im nationalen Preiskampf noch die Bekleidungshersteller im internationalen Wettbewerb weitergeben“, schreiben sie in einer APA-OTS-Meldung.

Leist zum Welttag für soziale Gerechtigkeit: 1.700 Euro Monatslohn sind das mindeste!

Anlässlich des heutigen Welttages für soziale Gerechtigkeit bekräftigt Tirols ÖGB-Vorsitzender Otto Leist seine Forderung nach einem kollektivvertraglichen Monatslohn von 1.700 Euro brutto. „Das Aus für Niedriglohnbranchen wäre ein wichtiger Schritt zu sozialer Gerechtigkeit. Die Armutsgefährdungsschwelle liegt nachweislich bei einem monatlichen Bruttoeinkommen von 1.500 Euro“, so Leist. Derzeit verdienen in Österreich 138.000 Menschen, die einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen, weniger als 1.500 Euro brutto.

Diese 4 Länder zeigen, dass der Mindestlohn keine Arbeitsplätze vernichtet

Die Regierung plant einen Mindestlohn von 1.500 Euro bis Sommer 2017. Seit das Vorhaben bekannt ist, überschlagen sich industrienahe Think Tanks wie EcoAustria und Agenda Austria mit drastischen Prognosen: Der Mindestlohn würde zu einer Verlagerung von Arbeitsplätzen ins billige Ausland führen, Investitionen unattraktiver machen und Preise erhöhen. Ähnlich drastische Prognosen gab es auch in Deutschland vor der Einführung des Mindestlohns vor zwei Jahren – keine davon hat sich bewahrheitet. Die einzig empirisch belegte Folge eines Mindestlohns ist, dass die Löhne im Niedriglohnbereich steigen.