Chris Moser: Viva la Rebellion – Ein Aufruf zum Widerstand

Wer in Tirol kennt ihn nicht, den Tierrechtsaktivisten Chris Moser, der mit seinen Mitstreiter_innen seit Jahren praktisch jeden Freitag vor der Kleiderbauer-Filiale in der Innsbrucker Museumstraße steht und sich für die Interessen der nichtmenschlichen leidensfähigen Geschöpfe einsetzt?
(Chris Mosers Buch „Viva la Rebellion – Ein Aufruf zum Widerstand“ kann unter anderem vom Online-Shop für Anarchie, Punkrock & politische Bildung „GRANDIOSO_VERSAND“ bezogen werden: 15074, 1. Auflage, Oktober 2016, Fine Paperback, ca. 120 Seiten, kyrene Verlag, 12,50 Euro)

Kein Tierschutzprozess, keine Einschüchterungsversuche der Polizei und schon gar nicht die Anfeindungen aus Teilen der Bevölkerung konnten ihn und seine Mitstreiter_innen mundtot machen. Und solange die Kleiderbauer-Kette Tierpelze im Warensortiment führt, wird man sich darauf verlassen können, dass Tierrechtsaktivist_innen davor das Leid der Pelztiere anprangern werden. Chris Moser ist mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit unter ihnen anzutreffen. Doch Chris Moser engagiert sich nicht „nur“ für Tierrechte, sondern auch für die Rechte der zweibeinigen Säugetiere, ist daher mit großer Wahrscheinlichkeit auch bei Demonstrationen gegen Faschismus, Krieg und gegen TTIP und Co zu finden.

Doch wie tickt so ein Aktivist, der mit bewundernswertem Elan für die Rechte von Mensch und Tier streitet und uns mit kreativen Aktionen die Absurdität des Systems der Ausbeutung vor Augen führt?
In dem 124-seitigen Büchlein, das beim Kyrene-Verlag erschienen ist, hat die neugierige Leserin die Möglichkeit, sich davon ein Bild zu machen, welche Überzeugungen und welche Gedankengänge dem politischen Wirken von Chris Moser zugrunde liegen. Und zwar aus erster Hand. Nach einem Vorwort von Rosmarie Thüminger geht es mit dem „homo aber“ zur Sache: Es stellt seine Skulptur vor, die die Scheinheiligkeit von politischen Halbsätzen wie: „Ich bin ja bestimmt nicht rassistisch, …“ darstellt. Sie fasst zusammen, wogegen sich Chris in seinem politischen Wirken deutlich zur Wehr setzt. Gegen eine Herzlosigkeit, die aber nicht einmal zu ihrer Verantwortung steht, sondern mit dem „aber“ von sich weist, als hätte sie nichts damit zu tun.

Durch die detaillierten Schilderungen diverser politischer Aktivitäten und Begegnungen zieht sich ein roter Faden: Polizei mag stärker sein und Handschellen haben, aber wir haben eine Sache, die uns auch die Staatsgewalt nicht nehmen kann: Wir haben unsere Kreativität, unseren Witz und unsere Frechheit. Gegen die kommt auch die Staatsgewalt nicht an. Seine Kernbotschaft ist, dass Rebellion weder an einen Ort, eine Zeit noch an ein Lebensalter gebunden ist, sondern vielmehr in der Tatsache beruht, dass dieses System zutiefst ungerecht und menschenverachtend ist. Hier schimmert auch durch, dass Chris Moser als Anarchist eben auch von Bakunin inspiriert ist, dessen Konzeption ein „Freiheitsinstinkt“ ist, der gegen Unterdrückung aufbegehrt.

Ein wichtiger Aspekt seines politischen Wirkens ist seine Konsequenz. Er kritisiert, dass manche Tierrechtsaktivist_innen keine Sensibilität gegenüber den Rechten von Minderheiten und gegenüber der Unterdrückung des Menschen durch den Menschen aufweisen, während auf der anderen Seite Menschenrechtsaktivist_innen sich nicht an Tierversuchen stoßen. Für Chris Moser sind Tier- und Menschenrechte untrennbar miteinander verbunden.

Ich will an dieser Stelle nicht zu viel verraten. Wer wissen will, was das UZAGG.rrs-Kollektiv ist, muss das Buch schon selbst lesen. Nur so viel: Mit nur sehr wenigen Menschen kann man mit einer gehörigen Portion Kreativität politisch eine Menge in Bewegung setzen.

Das Lesen dieses Buches lohnt sich auf jeden Fall. Obwohl das Buch schon das dritte nach „Die Kunst, Widerstand zu leisten“ und „Meines Erachtens“ ist, ist einem auch dann bei der Lektüre nicht langweilig, wenn man die anderen schon gelesen hat. Dabei ist es auch erheiternd, dass er seine Rolle als Autor nicht als herausragend wahrnimmt. Er schreibt schließlich, dass er es begrüßen würde, wenn auch andere Aktivist_innen mehr Bücher über ihre Geschichte schreiben würden.

Das Buch ist eine Inspiration und stachelt auch zur Rebellion auf. Es ist aber auch ein Anhaltspunkt, sich mit eigenen bequemen Denkmustern auseinanderzusetzen. Sich darauf einzulassen und zu sehen, was am Ende dabei herauskommt, ist ein spannender Prozess. Deshalb wünsche ich dem Buch viele Leser_innen. Und vor allem viele Leser_innen, die mit dem Autor über Rebellion, Politik, Protest diskutieren. „Durch’s Reden kemmen die Leit z’somm.“ – heißt es so schön. Einzeln oder mit nur wenigen Leuten zu rebellieren mag zwar auch gehen, wie Chris Moser eindrucksvoll zeigt, aber gemeinsam und mit vielen Leuten bringt es halt wohl mehr und macht auch mehr Spaß.

Roland Steixner

 

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