Das Zeughaus-Areal neu – Sozialpolitisch ein Fehlschlag

Der Boden, auf dem das Zeughaus steht, ist bislang im Eigentum der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) bzw ihrer Tochtergesellschaft Austrian Real Estate (ARE). Im Zuge eines Dreieckgeschäfts zwischen Bund, Land und Stadt Innsbruck wird das Zeughaus mit Grüngürtel an das Land Tirol verkauft, während ein Streifen zur Sill hin kostenlos an die Stadt Innsbruck fällt. Der ARE wurde zugestanden, den nördlichen Bereich zu bebauen. Auf diese Weise sollen über 100 Wohnungen entstehen. Medial wird das Bauprojekt teilweise sogar so transportiert, dass über 100 Sozialwohnungen gebaut würden, was man schlichtweg als Etikettenschwindel bezeichnen muss.

Das Projekt ist nicht unumstritten. Anrainer*innen kritisieren die zusätzliche Verdichtung in einem Areal, das unweit entfernt ist von der Bienerstraße, wo derzeit in Kooperation von IIG und WE zwei Wohnanlagen mit insgesamt 126 Wohnungen errichtet werden. Dabei wird befürchtet, dass dabei der Wohnraumbeschaffung Grünraum geopfert werde.

Das Zeughaus-Areal verfügt über einen veritablen Baumbestand, zu dem unter anderem eine große Schwarzpappel, mehrere Schwarzkiefern und eine Trauerweide gehören. Inwiefern dieser von dem geplanten Projekt betroffen ist, lässt sich aus dem Plan nicht eindeutig feststellen. Die Stellplätze sind unterirdisch und das Verwaltungsgebäude der BIG wird abgerissen. Ebenso die elf Dienstwohnungen, die sich dort befinden und die von ehemaligen Bundesbediensteten bewohnt werden. Diesen werden Alternativen von ARE und NHT angeboten. Das bislang eingezäunte private Areal wird öffentlich zugänglich.

Wenn der dortige Baumbestand weitgehend erhalten bleibt und die bebauten Flächen sich zu einem großen Teil mit denen bestehender Gebäude decken, so ist das Resultat für die Anrainer*innen nicht unbedingt ein Nachteil. Im Gegenteil: Der bislang nicht zugängliche Teil des Parks wird öffentlich nutzbar. Die Modelle bilden jedoch den bestehenden Baumbestand nicht entsprechend ab. Daher ist Skepsis angebracht.

Die bei diesem Projekt entstehenden Wohneinheiten sind zu 50 Prozent freifinanzierte Eigentumswohnungen. Weitere 20 Prozent der Wohneinheiten werden nach den Kriterien der Wohnbauförderung vergeben. Nur 30 Prozent der Wohneinheiten sind geförderte Mietwohnungen, die von der Stadt Innsbruck vergeben werden. Michael Hennermann, Vorsitzender des Vereins für Obdachlose, der die an das Areal angrenzende Teestube betreibt, findet dazu bereits 2015 klare Worte: „Mehr leistbaren Wohnraum zu schaffen und die Stadt zu verdichten ist absolut wichtig und notwendig. Wenn die Hälfte dann als Eigentumswohnungen verkauft wird, ist das aber eine absolute Katastrophe. Wir brauchen Mietwohnungen.“

https://derstandard.at/2000024223416/Zeughausareal-Umstrittenes-Recht-auf-Wohnraum

Die BIG ist zu 100 Prozent im Eigentum des Bundes. Die ARE als Tochtergesellschaft der BIG ist bestrebt, ihr Portfolio aufzubessern. Das liest sich so: „Die ARE hat sich für die nächsten Jahre das Ziel gesteckt, die Profitabilität zu steigern und ihre Ertragskennzahlen zu verbessern. Weiters soll der Anteil nicht-öffentlicher Mieter in den nächsten Jahren sukzessive gesteigert werden. Ein wesentliches Augenmerk liegt dabei auf der weiteren Optimierung des Portfolios. Insbesondere die Neuvermietung sanierter Objekte führt zu höheren Mieterträgen.“

https://www.are.at/unternehmen/

Der Zeughaus-Deal, bei dem auf öffentlichem Grund und Boden Spekulationsobjekte errichtet werden sollen, ist daher mit Sicherheit kein Glanzstück des sozialen Wohnbaus. Die rund 30 bis 40 Sozialwohnungen wären anderswo durch Aufstockung bereits bestehender Gebäude auch zu schaffen gewesen.

Die ökologischen Bedenken könnten durch Modifizierung der Planung des Projekts weitgehend ausgeräumt werden. Dass aber auf ursprünglich öffentlichem Grund Betongold errichtet wird, ist der eigentliche Skandal. Denn die Stadt hat wenig Platz für den sozialen Wohnbau. Der sowohl im Arbeitsabkommen der alten Stadtregierung als auch in der neuen Regierung festgesetzte Verteilungsschlüssel, der mindestens die Hälfte der entstehenden Wohneinheiten als Mietwohnungen vorsieht, wird bei diesem Projekt klar verfehlt. Nach der Sillinsel und dem ZIMA-Projekt in der Egger-Lienz-Straße wird die Liste der wohnungs- und sozialpolitischer Fehlschläge der Stadt Innsbruck länger und länger.

Autor: Roland Steixner

Quellen:

http://www.tt.com/politik/landespolitik/12541136-91/101-neue-wohnungen-sollen-das-zeughaus-freispielen.csp

https://www.neueheimattirol.at/material/aktuelles/pdf/342.pdf

https://www.ibkinfo.at/bienerstrasse-2

https://www.google.at/maps/place/Tiroler+Landesmuseum+-+Museum+im+Zeughaus/@47.2710864,11.4064588,268m/data=!3m1!1e3!4m5!3m4!1s0x479d6954fa48ec5f:0x2c5031b4805d93d0!8m2!3d47.2705377!4d11.4070677

http://www.architekturwettbewerb.at/data/media/med_binary/original/1485850631.pdf

https://derstandard.at/2000024223416/Zeughausareal-Umstrittenes-Recht-auf-Wohnraum

https://www.big.at/ueber-uns/

https://www.are.at/unternehmen/

http://www.fuer-innsbruck.at/presse/Arbeits%C3%BCbereinkommen.2012.2018.pdf

https://www.innsbruck.gv.at/data.cfm?vpath=redaktion/politik/dokumente35/arbeitsubereinkommen_2018-2024

http://www.tt.com/politik/landespolitik/10931931-91/neubau-in-innsbruck-zima-will-keine-sozialwohnungen.csp