Dem Handwerk das Handwerk legen

1.500 Euro Mindestlohn, das fordert die Bundesregierung von den Sozialpartner_innen bis zum Sommer – netto sind das 1.198,90 Euro. Eigentlich schon ein Grund zum Fremdschämen, liegt doch die offizielle Armutsschwelle in Österreich gerade mal 35 Euro unter dieser Summe. Aber es geht noch übler:

Die Damen und Herren des „goldenen Handwerks“ der Billiglöhner_innen, die Standesvertreter_innen der Friseure, Textilreiniger, Gärtner, Floristen und Konditoren fordern bei der Einführung eines Mindestlohnes von 1.500 Euro brutto für die untersten Einkommen eine Übergangsfrist bis 2025. Denn, es gebe noch zahlreiche Einstiegsgehälter, die deutlich unter der 1.500-Euro-Marke liegen. So zum Beispiel bei den Friseur_innen die Hilfskräfte mit 1.137 Euro brutto (965 Euro netto, rund 100 Euro unter der Armutsschwelle). Selbst einE fertig ausgebildete Friseur_in bekommt im ersten Facharbeiter_innen-Jahr mur 1.344 Euro (1.112 Euro netto, rund 50 Euro unter der Armutsschwelle).

Offenherzig meint der Friseur_innen-Bundesinnungsmeister Wolfgang Eder, dass derzeit rund 30 Prozent der 17.300 Friseur_innen unter dem von der Bundesregierung verlangten Mindestlohn „entlohnt“ werden. Die sofortige Steigerung sei für die Unternehmer_innen nicht hebbar. Derzeit laufen die Kollektivvertragsverhandlungen. Laut Gewerkschaft vida lag das Angebot für einen Mindestlohn zuletzt bei 1.302 Euro, aber nur innerhalb der nächsten drei Jahre (?!?). „Wie soll man von diesen Löhnen in Würde leben? Da spielen wir sicher nicht mit“, empörte sich daraufhin die vida.

Aus mit dem Theater, dem Handwerk das Handwerk legen. Da es immer deutlicher wird, dass dies auf Kollektivvertragsebene nicht leistbar ist mit einem gesetzlichen Mindestlohn und den lohnsteuerfrei!