Die Folgen des Mindestlohns

Gekürzt aus der Sächsischen Zeitung: Bevor der Mindestlohn eingeführt wurde, gab es viele Mahner. Für Schlagzeilen sorgte besonders eine Studie des Dresdner Institutes für Wirtschaftsforschung (Ifo), das im Auftrag des damaligen sächsischen Wirtschafts- und Arbeitsministers Sven Morlok (FDP) erstellt wurde. Darin prognostizierten die Wissenschaftler, dass in Sachsen zwischen 30 000 und 60 000 Jobs durch die Einführung des Mindestlohns betroffen seien. Vor allem in Grenzregionen sahen sie die Gefahr, dass das Gesetz viele Jobs kosten könnte. Für den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge hatten die Ifo-Forscher ausgerechnet, dass sich der Mindestlohn auf rund ein Drittel der 14 000 abhängig Beschäftigten auswirken werde. Fast 3 000 Stellen seien vom Mindestlohn gar bedroht. Dieser Lesart schlossen sich viele – zumeist arbeitgebernahe – Experten an.

Die Realität hat diese Prognosen überholt. Die Pirnaer Arbeitsagentur teilt auf eine SZ-Anfrage mit, dass ihr nicht ein einziger Fall bekannt ist, bei dem aufgrund des Mindestlohns Jobs weggefallen sind. Ein Analyst sagte vor gut zwei Jahren: „Wenn einen Unternehmer der Mindestlohn in seiner Existenz bedroht, kann das Unternehmen nicht gesund sein.“ Vor einem Jahr zog das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ein erstes Fazit zum Mindestlohn in Sachsen. Darin kam es zu dem Ergebnis: Der Mindestlohn hat sich auf gut ein Drittel aller Betriebe im Freistaat ausgewirkt. Jeder Dritte angestellte Sachse hat nun – zumindest ein bisschen – mehr Geld im Portemonnaie.

Noch etwas ist deutlich geworden: In manchen Regionen Deutschlands hat der Mindestlohn mehr Auswirkungen auf die Beschäftigten als anderswo. Das ist in den Gebieten der Fall, in denen sich das Lohngefüge sowieso eher am unteren Ende befindet. Ostsachsen und besonders der Landkreis sind so eine Region. Die SZ hat mit Arbeitgebern, Gewerkschaftern und Verbänden in der Region über den Mindestlohn gesprochen. Sie verraten, was aus ihrer Sicht gut klappt – und in welchen Bereichen die Politik noch gegensteuern sollte.