Digitale Arbeits-Revolution?

Im Rahmen eines „Sozial- und arbeitspolitischen Gesprächs“ hielt Annika Schönauer (FORBA, Wien) im Saal des Gewerkschaftshauses einen Vortrag zum Thema: „Digitalisierung der Arbeit: Herausforderungen und politische Gestaltungsmöglichkeiten“. Im Anschluss daran diskutierten Anton Kern (AMS-Tirol, Landesgeschäftsführer), Werner Ritter (Siemens, Leiter der Niederlassung Innsbruck) und Patrik Tirof (PRO-GE Tirol, Landesvorsitzender) am Podium.

Es gibt bereits viele Studien über die Auswirkungen des stetigen technologischen Fortschritts auf die Arbeitswelt und die Gesellschaft. Wie viele traditionelle Jobs der Automatisierung letztlich zum Opfer fallen werden, darüber gibt es sehr unterschiedliche Prognosen, Schönauer sprach von 10 bis 54 Prozent. Fakt ist, dass der Veränderungsprozess längst im Gange ist und bereits jetzt einige Branchen besonders betroffen sind, etwa das Bankenwesen, wo immer mehr Selbstbedienungszentren die gewohnten Bankfilialen ersetzen. Doch ist noch längst nicht jede mögliche Technologie im Einsatz. Es ist also keine „Revolution“, sondern eher ein schleichender Prozess, der allerdings immer schneller würde und zu Verlagerungen und unterschiedlicher Betroffenheit führt. Wenn also die vollautomatisierten Produktionsfabriken und Lagerhallen noch längst nicht flächendeckend Realität geworden sind, so sind sie in manchen Branchen bereits mehr als angedacht. Sogar im Pflegebereich gäbe es bereits Projekte mit vernetzter Verwaltung und dem Einsatz von Pflegerobotern – vom Essengeben bis zur Kuschelrobbe. Ein weiteres Phänomen sind die „smart things“, die uns vielerlei Aufgaben erleichtern und so auch unser Privatleben verändern.

So scheint keine Branche vom der Ersetzen der menschlichen Arbeitskraft und Intelligenz aber auch Zuwendung durch moderne Technologie „verschont“ bleiben. Positiv ist, dass dadurch nicht nur Arbeitsplätze verloren gehen, es werden auch neue geschaffen. Für diese benötigt es aber eine gute Ausbildung. Die nötigen optimal ausgebildeten Maschinenbauer, Techniker und Informatiker etc. fehlen teilweise schon jetzt, wie es besonders Werner Ritter, von Siemens betonte. Ganz besonders fehlen die Frauen in diesen Berufsfeldern.

Für Gewerkschaften aber auch die Arbeitsmarktpolitik und die gesamte Gesellschaft stellen die kommenden Veränderungen eine große Herausforderung dar. Fragen wie Maschinensteuer, bedingungsloses Grundeinkommen, 12-Sundentag, Arbeitszeitverkürzung mit oder ohne Lohnausgleich und verbesserte Bildung, Aus- und Weiterbildung kamen in der Diskussion ebenso zur Sprache, wie die Notwendigkeit, die EPU besser zu vertreten oder Frauen vermehrt für technische Berufe zu begeistern und weg von den Halbtagsbeschäftigungen zu bringen. Klar, dass das auch eine Herausforderung für die Kinderbetreuungssituation ist.
Da gibt’s noch viel Arbeit für Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter und die Politik auf allen Ebenen. Einiges davon wird auch schon im laufenden Wahlkampf hochaktuell werden.

Die Veranstaltung war eine Kooperation des AMS-Tirol, des VÖGB-Tirol und des Büros für Gleichstellung und Gender Studies der Universität Innsbruck. Es moderierte Alexandra Weiss.

übernommen von Mag. Monika Himsl