Dornauer – die Akten sind noch nicht geschlossen

Viel wurde bisher über den Sexismus-Fall Dornauer diskutiert und geschrieben, seit Montag steht fest, dass Dornauer das mehrheitliche Vertrauen seiner Landespartei besitzt – Zeit für eine Bilanz.

1.       Unter Sexismus verstehen wir jegliche Form der Ansprache und Bewertung von Menschen unter dem Vorzeichen herrschender Geschlechterstereotype, mit denen Frauen immer noch auf die Rollen des infantilisierten, der männlichen Anleitung und Obhut bedürftigen Mündels, der Familienversorgerin, der ästhetischen Alltags-Behübschung oder des Objekts männlicher Sexualbegierden reduziert werden

2.       Sexismus ist nicht nur ein Problem auf der Ebene zwischenmenschlicher Interaktion und Kommunikation, es ist auch und vor allem ein Problem der Gesellschaftsstruktur, genauer  der herrschenden patriarchalen Geschlechterverhältnisse, in denen die oben beschriebenen sexistischen Reduktionen von Frauen immer noch institutionalisiert und tägliche Praxis sind.

3.       Der berüchtigte Sager Dornauers „ ich möchte mir die Landesrätin nicht in der Horizontale vorstellen“ ist mit seinen paternalistischen und sexuellen Konnotationen eindeutig sexistisch, und zwar unabhängig davon, ob er vom Sprecher so intendiert war oder nicht. Ein Rücktritt Dornauers bzw. ein Vertrauensentzug durch seine Partei wäre daher angebracht gewesen.  Und dafür ist es auch jetzt noch nicht zu spät.

4.       Sollte Dornauer tatsächlich diejenigen klagen, die seinen Sager in die Öffentlichkeit gebracht haben wäre das als Versuch einer Täter-Opfer-Umkehr und einer Einschüchterung von Kritiker*innen entschieden zu verurteilen.

5.       Anders als zahlreiche Kritiker*innen in der Zivilgesellschaft, Medien und Politik meinen wir, dass Dornauers Aussage, „Sexismus entsteht bei  der/dem Empfänger*in“ zwar verkürzt ist, aber aus der späten Einsicht resultiert, dass es nicht nur auf die Intention des Sprechers, sondern auch auf die Wahrnehmung der Hörer*in und den gesellschaftlichen Kontext ankommt. Hier handelt es sich also nach unserem Verständnis um keine „Täter-Opfer-Umkehr“

 

Die Tiroler Aktionistas des Frauen*volksbegehrens

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.