Einige Stimmen zum Internationalen Frauentag

Durch Karenzeiten verlieren Frauen Anrechnungszeiten auf dienstzeitabhängige Ansprüche wie etwa beim Zugang zur sechsten Urlaubswoche, beim Krankengeldzuschuss, beim Jubiläumsgeld oder bei Kündigungsfristen. Im Laufe eines Berufslebens kann sich diese Benachteiligung auf mehrere tausend Euro summieren. Silvia Nagele, Landesfrauenvorsitzende der PRO-GE Tirol fordert daher: „Eine Novelle der gesetzlichen Bestimmungen ist dringend notwendig, um für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die gleichen Voraussetzungen zu schaffen.“

„Neokapitalistische Interessen haben Einzug in die politischen Entscheidungen unserer Regierungen gehalten. Das jüngste Regierungsabkommen sichert die weitere Verschlechterung der prekären Situation vieler Frauen.  Nun wäre der 8. März für die Wirtschaft nicht gänzlich ohne Bedeutung. Ganz aufmerksam wirbt sie jährlich für ein nettes Geschenk, mit dem Mann Frau ehre. Doch HALT: Rosen statt Brot, das ist es nicht! 30 Stunden Wochenarbeitszeit bei vollem Lohn- und Personalausgleich, 13 Euro gesetzlichen Mindestlohn, Entrichtung der Vollzeit-Pensionsbeiträge bei Teilzeitarbeit durch die Arbeitgeber. Brot UND Rosen!“ verlangt die Salzburger GLB-AK-Rätin Brigitte Promberger in der Zeitschrift „„Die Arbeit“ Nummer 1/2017„.

„Die Beschäftigungszahlen steigen in Österreich, gleichzeitig steigt auch die Arbeitslosigkeit – eine skurrile Situation, die Lösung liegt auf der Hand: der Wirtschaftsaufschwung, der notwendig wäre, um ausreichend Arbeitsplätze schaffen zu können, ist nicht absehbar. Also sollten die vorhandene Arbeit neu aufgeteilt und die Arbeitszeit verkürzt werden“, fordert Ilse Fetik, Frauenvorsitzende der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp).

„Bis heute wurde das Frauenvolksbegehren, das von knapp 700.000 Menschen unterzeichnet wurde, nicht einmal ignoriert. Artikel 7 des Bundesverfassungsgesetzes besagt unter anderem: ‚Vorrechte der Geburt, des Geschlechtes, des Standes, der Klasse und des Bekenntnisses sind ausgeschlossen.‘  Der kürzlich erschienene Sozialbericht benennt in Österreich bestehende Vorrechte: 75 Prozent der Haushalte haben weniger als 50.000 Euro Bruttojahreseinkommen, fünf Prozent mehr als 100.000 Euro, und das oberste Prozent mehr als 300.000 Euro. Die Einkommen des obersten einen Prozent der Haushalte bestehen im Vergleich zu den unteren 99 Prozent wesentlich stärker aus Selbständigen- und Kapitaleinkommen“, meint die Journalistin und langjährige Bund Demokratischer Frauen (BDF)-Vorsitzende Bärbel Danneberg.

Im Vorfeld des Internationalen Frauentages (8. März) trafen sich die zuständigen Landesrätinnen in Linz und unternahmen einen erneuten Vorstoß mit gemeinsamen Vorschlägen rund um frauenpolitische Themen. „Wir sind uns einig, dass in wesentlichen Fragen der Gleichstellung die rechtlichen Rahmenbedingungen grundsätzlich gegeben sind, dass aber in vielen Details unsere Forderungen weiter gehen müssen”, fasste Landesrätin Katharina Wiesflecker die Diskussionen zusammen. Eine zentrale frauenpolitische Forderung ist die Einführung des Mindestlohns. “Ist das gesetzlich verankert, dann ist ein wichtiger realpolitischer Schritt für die Frauen getan, damit ein existenzsicherndes Leben endlich möglich sein kann”, so Wiesflecker.

Anlässlich des morgigen Weltfrauentags erinnert Tirols ÖGB-Frauenvorsitzende Ulrike Ernstbrunner daran, dass man von einer echten Gleichstellung nach wie vor weit entfernt sei. „Laut dem kürzlich erschienenen Gender Gap Report hat sich die Situation in Österreich sogar verschlechtert: Bei der Gleichstellung von Frauen rutschte Österreich von Platz 37 auf Platz 52 ab. Bei der Lohngerechtigkeit belegt unser Land lediglich Platz 100 von 144. Wir können uns das Schneckentempo, in dem Lohndiskriminierung angegangen wird, nicht länger leisten!“ so Ernstbrunner.