Flexibilität – (k)ein Märchen aus 1001 Nacht

Der 12-Stunden-Arbeitstag bringt eine Win-Win-Situation für Betrieb und Beschäftigte. So zumindest argumentieren gerne die Unternehmen: Denn wer ein »bisserl mehr arbeitet«, der kann sich später mehr zusammenhängende Freizeit gönnen. Stimmt das wirklich so?

Dem Tiroler WKO-Boss Jürgen Bodenseer, der sich gerne selbst unter dem Synonym  »schwarzer Rabe« im Mittelpunkt stellt, ist einfach zu danken. Er spricht jetzt Klartext und meint Flexibilität sei kein Märchen aus 1001 Nacht: »Es ist eine Tatsache dass in den Betrieben gearbeitet werden muss, wenn Arbeit da ist!« Diese Aussage impliziert natürlich auch, ohne es ausgesprochent zu haben, dass die »zusätzlich erarbeitete Freizeit« den Beschäftigten ebenfalls angeordnet wird, nämlich dann wenn wenig Arbeit vorhanden ist.

Lieber Rabe, vielleicht ist Flexibilität kein Marchen aus 1001 Nacht, aber die Behauptung, dass die Beschäftigten davon profitieren würden ist auf jeden Fall ein Riesenmärchen! Wo liegt denn da für uns Lohnabhängige der Vorteil? Wir bekommen weniger Überstundenzuschläge, wir können uns »unsere neu gewonnene Freizeit« nicht selbst aussuchen und für uns sind  laut einhelliger Meinung aller Arbeitsmediziner_innen längere Tagesarbeitszeiten einfach nur gesundheitsschädlich…

Wer aber diese zweite Seite der Medaille anspricht, ist für Bodenseer aber gar ein Böser und wird der Schwarzmalerei und Neinsager-Front bezichtigt: »AK und ÖGB haben nichts verstanden! Erwin Zangerl übt sich in Polemik, seine aufgezählten Probleme in Zusammenhang mit einem Zeitkonto sind an den Haaren herbeigezogen! ÖGB-Vorsitzender Leist ist verantwortungslos, da das Verhindern neuer Rahmenbedingungen bedeutet, dass die Betriebe dem herrschenden Konkurrenzdruck nicht bestehen könne!«

So tickt er eben, unser schwarzer Rabe,

meint Euer

Josef Stingl