Geschichten aus dem FPÖ-Universum

Patrick Haslwanter war seinen eigenen Angaben zufolge von einem Autofahrer dermaßen geschnitten worden, dass seine in seinem (FPÖ-)Auto befindlichen Kinder ernsthaft gefährdet gewesen seien. Der Autofahrer zeigt dem FPÖ-Politiker das Victory-Zeichen, welches dieser schlichtweg als Mittelfinger interpretierte. Minutiös dokumentiert wurde der Vorfall übrigens auch, was als eine bewundernswerte Leistung des Bezirksparteiobmannes von Innsbruck-Land zu bewerten ist. Schließlich musste des dem FPÖ-Funktionär gelungen sein, während der Fahrt, den Vorfall gefilmt zu haben. Die Kinder (im Alter von acht Monaten bzw. vier Jahren) werden kaum in der Lage gewesen sein, dieses Geschehen filmisch zu dokumentieren.

Dass es natürlich nur ein gemeiner Linker sein kann, der diese schändliche Tat vollbracht hatte, musste Herr Haslwanter gleich über die Sozialen Medien verbreiten. Es sei angemerkt, dass ein Akt, der das Wohl der Kinder des FPÖ-Funktionärs gefährdet hätte, tatsächlich durch nichts zu rechtfertigen und scharf zu verurteilen wäre. Doch hier sind tatsächlich Zweifel am Wahrheitsgehalt der ganzen Geschichte berechtigt. Dass dann die Schuld für diesen Vorfall kollektiv einer Gruppe zugeschrieben wird, macht deutlich, dass es hier nur darum geht, einen bestimmten Vorfall entsprechend auszuschlachten, nicht jedoch um die Aufklärung eines konkreten Vergehens. Ob dieses Ereignis so stattfand, werden letztlich Gerichte zu entscheiden haben, wenn Haslwanter tatsächlich bereits Anzeige erstattet hat.

Bezeichnend ist jedoch, dass sich FPÖ-Spitzenkandidat für den Wahlkreis Innsbruck-Stadt, Peter Wurm, gleich dazu verstieg, die Linken mit den Schlächtern des IS auf die gleiche Stufe zu stellen. Das scheint sogar für die Zeitung „Österreich“ etwas zu krass zu sein, sodass die Berichterstattung in diesem Fall nicht mehr allzu wohlwollend ausfiel.

Jedenfalls darf Peter Wurm ein kreativer Umgang mit der Wahrheit attestiert werden. Hasspostings im Sinne einer gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit sind in erster Linie bei der extremen Rechten zu finden, die gegen Geflüchtete, Migrant_innen und andere Minderheiten hetzt. Doch diese Dokumentationen des Hasses und der Menschenfeindlichkeit sind in den Augen von Wurm durch die Meinungsfreiheit gedeckt, während Kritik daran als „Hass“ bezeichnet wird.

Doch das Vokabular der FPÖ ist einfach. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit heißt im FPÖ-Sprech „Heimatliebe“ während Kritik daran als „Hass“ bezeichnet wird.

Roland Steixner