GLB lehnt Zwölfstundentag entschieden ab

Die Aktivkonferenz der Fraktion Gewerkschaftlicher Linksblock im ÖGB (GLB) am 10. Mai 2014 in Linz erklärt ihre Unterstützung und Solidarität mit der Demonstration gegen die Wiedereinführung des Zwölfstundentages am 12. Mai 2014 in Wien.

„Auch wenn diese von der Koalitionsregierung betriebene Maßnahme als Anpassung von Reisezeiten, Gleitzeit etc. argumentiert wird, von welcher nur ein Fünftel der Beschäftigten betroffen sind, bedeutet sie einen Dammbruch bei der seit Jahren betriebenen Flexibilisierung der Arbeitszeiten“ meint GLB-Bundesvorsitzender Josef Stingl.

In Hinblick auf die bekannte Langzeitstrategie des Kapitals liegt auf der Hand, dass die geplante Regelung nur ein Türöffner für die spätere Ausweitung auf alle Beschäftigten darstellt und die Ausnahme zur Regel wird. Ziel dabei ist es vor allem, nicht nur die tägliche Maximalarbeitszeit auszuweiten, sondern vor allem teure Überstundenzuschläge zu sparen. Die SPÖ und insbesondere Sozialminister Hundstorfer haben sich damit einmal mehr zum Schaden der Lohnabhängigen den Wünschen von Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung untergeordnet.

1918 gelang es als Ergebnis langer Kämpfe der Arbeiter_innenbewegung den Achtstundentag gesetzlich zu verankern. 2014 droht mit der Ausweitung der täglichen Maximalarbeitszeit auf zwölf Stunden, verbunden mit der Ausdehnung der Probezeit und Aufweichung des Kündigungsschutzes, ein Rückfall ins 19. Jahrhundert. Daran ändern auch die Bestrebungen des ÖGB nichts, dieser Maßnahme im „Abtausch“ gegen die Einführung der sechsten Urlaubswoche zuzustimmen.

„Die Bekämpfung der höchsten Arbeitslosigkeit der zweiten Republik darf nicht durch die Ausdehnung der täglichen Maximalarbeitszeit, sondern muss durch eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung mit vollem Lohn- und Personalausgleich erfolgen“ fordert Stingl. Dabei gilt es den Berg von jährlich rund 300 Millionen Überstunden, davon rund 70 Millionen unbezahlt oder ohne Zeitausgleich, abzubauen und auf der Kehrseite hunderttausenden Menschen, die derzeit nur eine Teilzeitarbeit mit entsprechend geringem Einkommen haben, einen Vollzeitjob mit einer angemessenen Bezahlung die zum Leben reicht zu verschaffen.

Laut Experten müsste demnach die 30-Stundenwoche der künftige neue Arbeitszeitstandard sein. Wir erinnern den ÖGB daran, dass 1983 erstmals bei einem ÖGB-Kongress die 35-Stundenwoche gefordert wurde, die aber bis heute nicht realisiert wurde.

Der GLB lehnt daher die Ausweitung der täglichen Maximalarbeitszeit auf zwölf Stunden ab und fordert die Gewerkschafter_innen im Parlament auf, dieser Maßnahme nicht zuzustimmen. Den ÖGB fordern wir auf, diese Verschlechterung mit allen zu Gebote stehenden Mitteln und insbesondere durch eine breite Mobilisierung der Lohnabhängigen und der Gewerkschaftsmitglieder zu bekämpfen.