Herbergsuche in Innsbruck

Der Winter steht vor der Tür, auch heuer wird im Gemeinderat der Innsbrucker Obdachlosen gedacht. Keine Angst, Innsbrucks Stadtregierung wird nicht sozial – es geht weder um sozialen Wohnbau, noch um Notschlafstellen! Es gibt einen zweiten Anlauf für ein Schlafverbot rund ums Goldene Dachl! Einmal ist Frau COP (Anm.: Bgm.in Christine Oppitz-Plörer) schon damit gescheitert, im November 2016 fehlten ihrer FI und Franz Xafers (Anm.: Gruber) ÖVP die Stimmen der FPÖ. Beleidigt, weil ihr Hardcore-Konzept kein Gehör fand, stimmten damals die Effen dagegen.

Unbefriedigt: Sowohl für COP, als auch Franz Xaver, Obdachlose brauchen „Schutz“ vor der herannahenden Kälte. Ein Nächtigungsverbot auf offener Straße, Hausvorsprüngen, Durchgängen und unter Brücken muss dringend her. Außerdem, der Christkindlmarkt naht – den „Guten“ (Anm.: Zahlungskräftige, und da ist’s auch egal wenn’s Ausländer_innen sind) darf nicht noch ein Jahr der – punsch- und glühweingeschwängerte – Weihnachtsgeist vergrault werden.

Weihnachten ist die Zeit der Herbergsuche! Bei der Herbergsuche für die adventbildstörenden Penner_innen helfen die beiden christlich-sozialen Politiker_innen gerne: Mit einem Schlafverbot! Bis zu 2.000 Euro Buße soll für die „Missetat Obdachlosigkeit“ kassiert werden. Kein Geld, kein Problem: Die Arrest-Ersatzstrafe sichert sogar einen warmen All-Inclusive-Aufenthalt im Häfen!

Und diesmal klappt`s mit diesem gelb-schwarzen Weihnachtsgeschenk sicher, im Gespann des Weihnachtsschlittens befindet sich auch „Rudi der Federspiel“! Der blaue Hardliner sieht seine Forderungen zu „80 Prozent erfüllt“. Dass die Ausweitung des Bettelverbotes nicht beschlossen wird ist für Federspiel erträglich: „Das mache ich dann selbst, wenn ich Bürgermeister bin“, meinte er gegenüber der Tiroler Tageszeitung.

Eine ganz andere Weihnachtsgeschichte lieferte vor einigen Jahren eine kanadische 60.000 Einwohner_innen-Stadt im Bundesstaat Alberta mit einer ehemaligen überdurchschnittlichen hohen Zahl an obdachlosen Menschen. Ihr Bürgermeister gab jedem Mensch eine Wohnung, sofern dieseR seit mindestens 10 Tagen auf der Straße lebte. Die Obdachlosen müssen dafür keinerlei Auflagen erfüllen. Heute gibt es in besagter Stadt fast keine obdachlose Personen mehr. Zudem wurde der städtische Haushalt mit dieser Maßnahme sogar entlastet, da die Bereitstellung der Wohnungen deutlich billiger ausfiel, als die Kosten für die Unterstützung obdachloser Menschen pro Person im Vorfeld.

Zusammengefasst: Ja, zur bestehenden Obdachlosigkeit braucht es Lösungen. Ob in Form des kanadischen Beispiels oder mit ganzjährigen Notschlafstellen, die allen Menschen offenstehen die sonst keinen Platz mehr finden darf nachgedacht werden. Wenn dafür COP, Franz Xaver oder Rudi nicht fähig sind, dann sollen sie sich ein Denkverbot statt eines Schlafverbots für Obdachlose geben. Wir hoffen auf den Osterhasen, vielleicht sind dessen Eier eine Woche nach Ostern (22. April) noch nicht faul.

Josef Stingl