„Herren der Ringe“ haben den Kredit verspielt

Dieses Wahl-Ergebnis ist eine ordentliche Watschn, die klare Niederlage in Innsbruck (Zweidrittel-Mehrheit gegen eine Bewerbung) eine schallende Ohrfeige. Dass sich die Wintersport-Metropole Kitzbühel bei der Tiroler Volksbefragung gegen Olympia 2026 ausspricht, ist nicht nur für viele Tourismus-Manager ein absolutes „No-Go“ und wird mit „reinem Neid-Denken“ erklärt. Mag sein, aber mit dem klaren NEIN ist vor allem den Großkopferten eine Absage erteilt worden.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat längst den Boden unter den Füßen verloren. Die mächtigen „Herren der Ringe“ stehen für Gigantismus, Korruption und Geldgier. Sotchi 2014, PyongChang 2018, Peking 2022 – diese Winterspiele haben nichts, aber auch rein gar nichts, mit der ursprünglichen Idee von Olympia zu tun. Da wie dort sind oder werden teure, überdimensionale Sportstätten in eine unberührte Natur geklotzt. Milliarden-Summen sind im Spiel, die Olympia-Macher spielen große Politik und bekommen den Hals nicht voll.

Inzwischen merken die honorigen Herren längst, dass sie ihr Produkt an die Wand fahren und erklären, dass sie „zurück zu den Wurzeln“ wollen. Olympia soll zukünftig wieder in echten Wintersport-Regionen stattfinden. Wir hören die Botschaft wohl, alleine es fehlt uns der Glaube!

Warum weigert sich Norwegen und deren Hauptstadt Oslo, ein „Epizentrum des Nordischen Sports“, eine Bewerbung einzugehen? Warum sagen die Bayern mit Garmisch und München NEIN zu Olympia? Auch die Schweden und Finnen lassen die Finger von den Spielen. Dafür wollen Almaty in Kasachstan oder Erzurum in der Türkei 2026 das Olympische Feuer entzünden…

Dort braucht es keine Volksbefragung. Olympia frisst seine Kinder. Die Jugend kann mit dem Gigantismus im „Zeichen der Ringe“ nichts mehr anfangen. Diese Winterspiele passen nur noch zu „Diktaturen“, westliche Demokratien können und wollen da nicht mehr mit.

Mit Korea 2018 und China 2022 jedenfalls kann uns das IOC vom Gegenteil nicht überzeugen. Das ist unbestritten. Winterspiele in einem abgelegenen Tal, in einem Niemandsland und in Nationen, deren Großteil der Bürger nicht einmal wissen, was Langlauf, Biathlon oder Rodeln sein sollen, ist definitiv der falsche Weg. Und auf dem marschiert Olympia vorerst unbeirrt weiter.

Dazu passend hakt auch das Österreichische Olympische Comite (ÖOC) den Versuch, die Spiele nach Tirol zu holen, ab. So meinte ÖOC-Generalsekretär Peter Mennel nach dem NEIN der Tiroler am Sonntagabend: „Das ist sehr schade. Wir haben alles dafür gegeben und aufopfernd gekämpft. Aber es hat nicht sein sollen!“

Sprach’s und kletterte so wie ÖOC-Präsident Karl Stoss in den Flieger nach Südkorea, wo er in den nächsten Tagen heimische Journalisten und ÖOC-Partnern von den Vorzügen und der Größe von Olympia in PyeongChang berichten wird.

Stoss gab in Korea zu Protokoll, dass er sich gewünscht hätte, dass sich die Leute in Tirol vorher richtig informieren, das wäre Recht und Pflicht gewesen, denn nur dann funktioniere die direkte Demokratie. „Und das hat viel zu wenig stattgefunden, wir haben es angeboten. Wir haben über 50 Veranstaltungen im gesamten Bundesland Tirol gemacht und zum Teil war die Teilnahme erschreckend – zehn Leute, 15 Leute.“

Auch hier ist festzustellen, dass da wohl jemand den Boden unter den Füßen verloren hat.

von Peter Rietzler, Textquelle: LAOLA1.at