Heute Sölden, morgen Wipptal

Eine Studie des WWF hat vier Jahrzehnte Skitourismus untersucht und rund 1.000 Skigebiete hinsichtlich ihres ökologischen Fußabdrucks verglichen. Das Skigebiet Sölden schnitt alpenweit mit dem größten Fußabdruck am schlechtesten ab. Es geht um Flächenverbrauch, Rodungen, Planierungen, Erosionsflächen und Beschneiung. Besonders schädlich sind vor allem die Mega-Ski-Resorts in hohen Lagen. Sie zerschneiden Ökosysteme und verkleinern den Lebensraum bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Die Wintersportzentren beeinträchtigen zudem die Stabilität der Gebirgslandschaft. (Lawinen ahoi!)

Wenn die alpinen Ökosysteme nicht über kurz oder lang zusammenbrechen sollen, braucht es Endausbaugrenzen für den Skitourismus und für Anlagen in den höchsten Gebirgsregionen, in der Permafrostzone oder in Mooren und Quellengebieten. Aber den Geldgeiertouriverbänden ist das alles weitgehend wurscht.

Money money einerseits, Schutzzonen andererseits.

Nun soll es dem beschaulichen Wipptal an den Kragen gehen. Es wurde von Journalisten eines Bergmagazins und von Geo „entdeckt“ und ein Bauer beim Heuziehen beobachtet. Welch großartige Exotik für zukünftige Touristen! Sogleich wittert der Tourismusverband Wipptal monetärgeschwängerte Morgenluft und möchte an alte „Glanzzeiten“ anknüpfen. Die Vermarktung des „Unberührten und Natürlichen“ soll eingeläutet werden. Das ist ein Widerspruch per se. Egal. Man liebäugelt mit einem Almdorf in Steinach. Ein steirischer Bauträger scharrt schon mit den Füßen bzw. Baggern. 30 Ferienluxushäuser mit 200 Betten. Na dann, ade Beschaulichkeit! Welcome to a new Piefke Saga!

Sylvia Dürr