Innsbruck: Besoffene Doppelmoral

Vor wenigen Tagen wurde Bundespräsident Alexander Van Der Bellen offiziell vor dem Tiroler Landhaus begrüßt. Ein landesüblicher Empfang mit Schützen, mit Blasmusik und dem obligaten Trunk aus dem Schnapsfass‘l durften natürlich nicht fehlen. „Platter sei Dank„ am Landhausplatz gibt’s kein Alkoholverbot. Die Mobile Überwachungsgruppe (MÜG) hätte dann auch viel zu tun – eine Anzeige gegen Bundespräsident und Landeshäuptling wäre unangenehm, abgesehen davon dass Zweiterer ein Wiederholungstäter wäre.

Alkoholverbot, das gibt es in und um den Bahnhof und auch in der Maria Theresienstraße. Die Stadtpolitiker_innen finden es eben ungustiös, wenn hier jedeR Bettel sich unkontrolliert besäufen kann und die Stadttourist_innen einen Slalom durch herumlungerte Alkoholleichen stolpern müssen. Der behördliche Alkohol-Verzicht gilt natürlich nicht generell, die armen Wirte müssen natürlich geschützt werden. Ums teure Geld darf Mensch – in den zahlreichen Gastgärten – ganz öffentlich  einen heben, um danach „stark angesäuselt“ nach Haus oder ins Hotel wanken zu können.

Jetzt wird auch der Rapoldipark trocken gelegt. Innsbrucks SP-Stadtparteiobmann Helmut Buchacher meinte bei der Beschlussfassung, dass es nicht sein kann, dass den „Kindern vorgeführt wird, wie man sich asozial verhält“. Er ist eben lernfähig: Bis vor einem Jahr feierte die SPÖ noch jährlich im Rapoldipark. Die Genoss_innen genossen dabei so manch Krug eines begehrten (alkoholfreien?) Gerstensaftes während daneben, bei den Kinderfreunden, die betreuten Kinder mit ansehen mussten wie ihre Eltern – Sozialdemokratie sei Dank – zum Umtrunk verführt wurden.

Das „GEMEINE VOLK“, das applaudiert: „Der Park soll für die Leute offen stehen, die ihn auch bezahlen – der steuerzahlende Teil der Bevölkerung! Die A-sozialen, die nur das System ausnutzen sollen in den A. gehen“, ist nur ein Leser_innen-Kommentar auf tt.com. Und wahrscheinlich sind’s genau gleiche Kampfposter, die in den sozialen Medien einen Riesen-Furz fahren lassen, weil sich einige „nicht integrationswillige“, türkischstämmige Gastronomen allzu frech keinen Alkohol in ihren Lokalen ausschenken  und so jeder anständigen Österreicherin, jeden anständigen Österreicher ihren/seinen lustvollen Vollrausch vermiesen?

Übrigens, nach besagten Prohibitionsbeschluß soll mach Gemeindeträt_in noch bei einem „kleinen“ Absacker gesichtet worden sein.

2 Responses to Innsbruck: Besoffene Doppelmoral

  1. BILL sagt:

    Ein Stamperl in Ehren, kann Niemand Verwehren. Damit wird das Schnapstrinken zum scützens- und achätzenswerten Volksgut. Ob ein diesbezüglicher UNESCO – Antrag durchgehen könnte, ist allerdings fraglich.

  2. Monika Himsl sagt:

    Der kleine Absacker war aber doch wohl nicht iom Rapoldipark….. ???? Wart ma mal ab, wo das nächste Verbot kommt…

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