Innsbruck: Fünf Lügen für fünf Ringe

Zweimal waren die Olympischen Winterspiele schon zu Gast in Innsbruck. Die ältere Stadtbevölkerung weiß, was davon geblieben ist: Kosten, für die sie jahrzehntelang blutete. Zweimal wurde daher mittels Volksentscheid danach eine Olympiabewerbung abgelehnt. Kein Hindernis für die Großmannssucht der Schröcksnadels, Oppitz-Plörers und Platters, um wieder mit Olympia zu liebäugeln. Die Kosten, kein Problem: Sie sind ja bekanntlich recht sparsam. Die Sozialbudgetposten gedeckelt, die Mindestsicherung gekürzt und es bleibt genug für ihr Prestigespiel.

Ein Griff in die Trickkiste soll eine dritte Abstimmungspanne verhindern: Nicht die Bevölkerung der Auftragsstadt soll abstimmen, alle Tirolerinnen und Tiroler sollen befragt werden. Das ergibt eher eine JA-Mehrheit und im Zweifelsfalle ist das Ergebnis nicht rechtsverbindlich. Auf ein Veto-Recht der Veranstalter-Stadt wurde vorsorglich verzichtet.

Trickreich auch die Fragestellung: „Soll das Land Tirol ein selbstbewusstes Angebot für nachhaltige, regional angepasste sowie wirtschaftlich und ökologisch vertretbare Olympische Spiele 2026 legen?“ Diese fünf Attribute sind eine schmackhafte und satte Lügengeschichte, die uns die fünf Olympiafraktionen auftischen wollen:

Selbstbewusstes Angebot: Warum dann diese Fragestellung, will man so die Bevölkerung zusätzlich einlullen? Warum stehen die Befürworter_innen nicht „selbstbewusst“ für ein klares JA. ÖVP-LH-Platter und Für-Innsbruck-Bürgermeisterin Oppitz-Plörer wollen zwar persönlich für ein solches stimmen, ihre Parteien aber keine JA-Empfehlung abgeben.

Auch die Effen spielen im „Hättiwariwäri-Spiel“ mit – ebenfalls keine Abstimmungsempfehlung, aber sie meinen die Winterspiele wären ein Gewinn für Tirol. Die Landesgrünen sind für ein kritisches JA, die Innsbrucker „Willi-Grünen“ aber für ein NEIN und die SPÖ sucht überhaupt noch immer nach ihrer Haltung

Einzig selbstbewusst die Liste Fritz und die KPÖ. Von diesen Parteien kommt allerdings ein klares NEIN.

Nachhaltigkeit: Interessant dabei ist die Ressourcen-Nutzung für das mögliche „Brot und Sportspiel“. Die Machbarkeitsstudie kostete bereits über eine Viertel Million Euro, für die Ja-Werbekampagnen-Maschinerie gibt‘s fast eine halbe Million Euro und für die Bewerbung selbst ist ein zweistelliger Millionenbetrag veranschlagt. Die Spiele selbst werden mit 1,2 Milliarden Euro budgetiert: Ohne neues Olympischen Dorf, ohne die Sicherheitskosten und ohne die Kosten für die Volksbefragung .

Nachhaltig bleibt nur, dass für das „Moos“ und darüberliegende Mehrkosten (bis jetzt kosteten alle Olympischen Spiele weit mehr als ursprünglich budgetiert) wir Steuerzahler_innen herhalten müssen. Ebenso die Teuerungswelle, die diese sportlichen Großevents einfach mitbringen, werden wir noch lange spüren.

Regional angepasst: Also noch mehr Tourismus! Schon jetzt wird unser öffentlicher Raum zugunsten einer „Postkartenidylle Innsbruck“ eingeschränkt. Einmal sich in der Innenstadt, außerhalb eines kommerziellen Gastgartens zu einem Bierchen zusammenzusetzen geht nicht: Alkoholverbot.

Oder, sich zivilgesellschaftlich zu engagieren, vorm Kleiderbauer für Tierschutz und gegen Pelzverkauf zu protestieren und bei der Annasäule zu demonstrieren ist von der herrschenden Politik- und Geschäftswelt nicht gern gesehen. Die fahnenschwingenden, grölenden meist linken Demonstrant_innen schrecken die Tourist_innen ab, die Tierschützer_innen vergraulen das zahlungskräftige in Pelz gehüllte Publikum.

International angepasst wird dafür der Sicherheitsapparat ausfallen. „Mehr Polizei, mehr Polizei und noch mehr Polizei“, schreien laut die Federspiels unter dem Deckmantel der Terrorgefahr. Loswerden wollen sie allerdings die Bettler_innen, Obdachlosen, Marokkaner_innen,…

Wirtschaftlich: Nur für wen? Für uns? Für Innsbrucks Wirtschaftstreibende? Oder verdienen sich nur wenige dumm und dämlich? „Freie Marktwirtschaft“ gibt es bei Olympiaveranstaltungen nicht. Großsponsoren a la Coca Cola verbieten sich jeglichen Wettbewerb.

Wirtschaftlich gewinnbringend werden die Olympischen Spiele auch für das IOC. Und auch einige Spitzenathlet_innen können sich freuen, sie können mit großzügigen Sponsorverträgen rechnen.

Steuern bleiben wenig, die „parken“ die Gewinner_innen (oder auch nicht) in den sogenannten Steueroasen in Luxemburg, Panama oder Kaiman-Inseln!

Ökologisch: Bereits 1964 wären die Olympischen Spiele fast ins Wasser gefallen. Geringe Schneedecke und Wärmeeinbruch hatten ihre Folge. Heute kommt das „schöne Weiß“ nicht mehr direkt vom Himmel, es entsteht künstlich. Ökologisch ist das allerdings nicht.

Außerdem ziehen sportliche Großevents Verkehr an: der Zu- und Abreiseverkehr, die Athlet_innen und Fans müssen zwischen Quartier und Sportstätte und von Sportstätte zu Sportstätte bewegt werden. Öffentliche Verkehrsmittel spielen dabei eine untergeordnete Rolle. Die Automobil-Sponsoren wie Toyota sehen lieber ihre Karossen „individuell“ auf der Straße rollen.

Und in puncto kulinarischer Versorgung ist zwar McDonalds als Hauptsponsor abgesprungen. Ein anderer Fast-Food-Anbieter wird sicherlich noch gefunden, um Innsbruck und Umgebung mit seinen Papp- und Plastik-Restmüll-Massen beglücken zu können.

Fazit: JA zu Innsbrucks Zukunft heißt NEIN bei der Olympia-Bewerbung!

Josef Stingl
(kandidiert in Tirol für KPÖ PLUS als Listenerster)

 

 

One Response to Innsbruck: Fünf Lügen für fünf Ringe

  1. Günter Zucchelli sagt:

    Lieber Josef Stingl,

    Kann dir teilweise (Sicherheitsproblematik sehe ich doch anders) voll zustimmen!

    Anmerkung:
    Es geht nur um die „Anfütterung der Günstlingstruppe“ rund um die ÖVP/Für-Innsbruck/Schwarz-Grünen/SPÖ – Gute Nacht Innsbruck/Tirol

    LG

    Günter Zucchelli

    PS: Viel Erfolg bei der Nationalratswahl 2017

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