Innsbruck, Olympia? oder: Ich dachte, wir müssten sparen…

Innsbruck hatte schon zweimal das Vergnügen. 1964 und 1976 wurden die Olympischen Spiele in Innsbruck ausgetragen. Bereits 1964 war die Schneemenge in Innsbruck und Umgebung – gelinde gesagt – überschaubar. Das Bundesheer bewies einmal seine „Nützlichkeit“, indem es 20 000 Eisblöcke und 40 000 m³ Schnee herbeischaffte. Der Föhneinbruch zu Lichtmess drohte zahlreiche Wettkämpfe buchstäblich ins Wasser fallen zu lassen.

Heute stehen uns zwar – anders als damals – Kühlanlagen und Schneekanonen zur Verfügung, doch mittlerweile hat sich das Klima erwärmt. Es ist anzumerken, dass der Winter 1963/64 gemäß den Klimaaufzeichnungen von 1906 bis 2012 mit -2,2°C unter dem langjährigen Durchschnitt von -0,9°C lag. Der Blick auf die Klimadaten der Stadt Innsbruck verrät außerdem, dass die „kalten“ Winter seltener werden und dass ein negatives Temperaturmittel für die Wintermonate immer seltener wird. Der letzte unterdurchschnittlich temperierte Winter in Innsbruck war 2011/12. Immer häufiger dagegen werden Wetterphasen, in denen nicht einmal eine Beschneiung funktioniert, weil es dafür schlichtweg zu warm ist. Hält dieser Trend an, so ist es auch 2026 ein reiner glücklicher Zufall, dass die Wetterbedingungen für den Wintersport geeignet sind.

Die Winterspiele 1976 hatten für die Innsbrucker_innen letztlich ein besonderes „Geschenk“ im Gepäck. Im Zuge der Baumaßnahmen zugunsten einer autogerechten Stadt, zu denen auch der Bau der Grenobler Brücke gehörte, wurde die Straßenbahnlinie 4 auf Schienenersatzverkehr umgestellt und der Gleiskörper abgetragen. Jahre später fällt der Stadt ein, dass Straßenbahnen vielleicht doch gar nicht so schlecht waren. Nun warten wir schon seit über zehn Jahren auf die Regionalbahn von Rum nach Völs. Es darf bezweifelt werden, dass nach einer erfolgreichen Bewerbung städtebauliche Maßnahmen in erster Linie den Bedürfnissen der Innsbrucker_innen und nicht dem Wunschzettel des IOC gerecht werden.

Die Kosten dürften wohl – wie so oft – die vorher kolportierten Zahlen übertreffen. Es ist nicht davon auszugehen, dass die Stadt „gratis“ aussteigen kann, da sie allein die aufgrund des hier üblichen Host-City-Vertrages sämtliche Haftungen übernimmt, während die IOC-Funktionäre die Gewinne einstreichen. Wieder einmal werden die Kosten der Öffentlichkeit aufgebürdet während die Bevölkerung die Kosten dafür zu tragen hat.

Wenn das alles „Peanuts“ sind, warum war dann die Kürzung der Mindestsicherung „alternativlos“? Wenn das alles „Peanuts“ sind, warum müssen Vereine wie das Mädchenzentrum ARANEA um ihre Existenz bangen, die im Jahr läppische 20 000 Euro kosten? Wenn mit dem Geld, das die Erstellung der Machbarkeitsstudie kostete, etwa das Mädchenzentrum gute 13 Jahre lang finanziert werden könnte, welche soziale Einrichtungen müssen geschlossen und welche Sozialleistungen müssen noch gekürzt werden, um die Bewerbung zu finanzieren? Sind die Milliarden, die die Austragung kosten dürfte, nicht besser in Heizkostenzuschüsse investiert, anstatt in einem gewaltigen Mega-Event verheizt? Bekommen Mindestsicherungsbezieher_innen, denen noch das Wenige, das sie haben weggekürzt wurde, wenigstens freien Eintritt? Müssen wir eigentlich noch unbedingt die Korruption des IOC importieren, oder kann der IOC noch was von der „Austrian-Frienderl-Wirtschaft“ lernen? Ist es denn wirklich demokratisch, wenn die Bevölkerung im Hauptaustragungsort überstimmt werden kann, obwohl sie am meisten unter den Konsequenzen zu leiden haben dürfte?

Nicht einmal das Versprechen, leistbaren Wohnraum zu schaffen, dürfte erfüllt werden, wie auch aus der Machbarkeitsstudie hervorgeht. Denn auf Seite 129 des Dokuments wird darauf verwiesen, dass das neu entstehende Olympische Dorf aus privater Hand finanziert wird. Es sieht also auf den ersten Blick schön aus, dass aus öffentlicher Hand keine Investitionen getätigt werden müssen. Doch da der private Wohnungsmarkt auf Gewinnorientierung orientiert ist, können Mieter_innen mit kleinem Geldbeutel sich keine Geschenke erwarten. 1964 und 1976 wurde immerhin Wohnraum für Menschen, die vorher in Barackensiedlungen wohnen mussten, geschaffen. Doch in den 60er- und 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts war das keynesianische Wirtschaftsmodell hegemonial, das immerhin im Norden weite Teile der Bevölkerung am Wohlstand teilhaben ließ, um den Konsum zu fördern. Doch seit etwa 25 Jahren weht ein anderer Wind. Vielmehr haben Olympische Spiele teurere Mieten und Wohnbau gebracht, den sich nur Wohlhabende leisten können.

Ein weiteres Mal soll die Bevölkerung von Tirol, und hier besonders in Innsbruck, Platz machen für ein Mega-Event, von dem sie nichts haben wird außer Spesen.

Roland Steixner

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