Denkfabrik irrt: Zwischen Teilzeit und Reallohn

Schön, oder besser gesagt nicht schön, dass die liberale »Denkfabrik Agenda Austria« denkt, dass die realen Löhne in Österreich entgegen anderslautenden Studien nicht sinken würden und diese anderswertende Aussagen über kaufkraftbereinigte Löhne seien »irreführend«. Dabei bezieht sich die Denkfabrik auf den Anteil der Teilzeitbeschäftigten, denn diese senken den realen Median-Lohn.

Richtig gerechnet, aber falsch gedacht, liebe Denkfabrikler! Denn der Lohn, den sie Teilzeitbeschäftigten ihn ihrer Lohntüte vorfinden, ist ihr Reallohn und der reduziert ihre Kaufkraft mächtig! Denn trotz des teilzeitreduzierten Einkommens müssen sie real weiterhin hundert Prozent ihres Lebens damit bestreiten. Es werden ja nicht gleichzeitig die Wohn-, die Energie- oder die Ernährungskosten geteilzeitet.

Wer meint, daran seinen selber schuld, denn sie könnten ja Vollzeit »buggeln«, der irrt gewaltig. Zahlreiche Teilzeitbeschäftigten gehen nicht freiwillig weniger als 40 Stunden in der Woche arbeiten.

Gesellschaft, Arbeitsbedingungen oder Unternehmen »zwingen« sie vielmehr dazu – wegen der fehlenden Kinderbetreuungseinrichtungen, da die physische und psychische Belastung am Arbeitsplatz nicht mehr Arbeitszeit zulässt (zum Beispiel im Pflegebereich), außerdem bieten ganze Branchen (etwa der Einzelhandel) fast nur mehr Teilzeitjobs an.

Der real erlebte Lohnverlust ist noch immer irreführend? Dazu sage ich nur: »Glaube nur an eine Statistik, die du selbst gefälscht hast!«

meint Euer

Josef Stingl (TT-Leserbrief am 6.4.2017)

 

One Response to Denkfabrik irrt: Zwischen Teilzeit und Reallohn

  1. Josef Stingl sagt:

    Es gibt eine Reaktion auf meinen Leserbrief, von Mag. Cornelia Mayrbäurl, Agenda Austria, Wien. Sie meint:

    »Der Verfasser des Leserbriefs kritisiert die Feststellung der Agenda Austria, dass es für gleiche Arbeit mehr Lohn gibt als früher. Wir haben dies betont, weil es oft heißt, dass Reallöhne sinken. Das ist aber falsch, weil dabei die Teilzeitstellen nicht berücksichtigt werden. Er weist nun darauf hin, dass ein Teilzeitlohn angesichts der Lebenshaltungskosten niedrig ist und nicht jeder freiwillig in Teilzeit arbeitet. Das stimmt, auch wenn viele gern in Teilzeit tätig sind. Aber unfreiwillige Teilzeitarbeit ist ein anderes Problem als angeblich sinkende Löhne. Lösungen dafür wären ein besseres Investitionsklima, das neue Jobs hervorbringt, oder mehr Kinderbetreuungsplätze.«

    Frau Mayrbäurl, das ändert nichts an der Tatsache, das Teilzeitkräfte mit ihrem Teilzeitlohn zu hundert Proeznt leben müssen und das ihr Reallohn ist. Außerdem auch bei den Vollzeitkräften bin ich mir nicht sicher ob die Reallöhne – bis auf für wenige – wirklich gestiegen sind. Die Abschlüsse liegen Jahr für Jahr knapp über der allgemeinen Inflation. Aber dieser, sondern der Warenkorb für den täglichen Bedarf – entspricht der realen Kaufkraft und somit sind die Abschlüsse meist unter der tatsächlichen Inflationsrate. Nicht zu vergessen, dass die kalte Progression netto nochmal was wegfrisst.

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