Jedermanns Buhlschaft 2016

Am 4. Dezember findet die Bundespräsidentenwahl statt, im Mai möglicherweise die Nationalratswahl. „Jedermanns (Schwarz/rot/blau-braune) Buhlschaft“ wurde eröffnet. Für die Schwarzen verließ ihr Klubobmann Reinhold Lopatka die „noble“ Deckung. „Hofer sei der bessere Kandidat, denn er habe „als Dritter Nationalratspräsident gezeigt, dass er für ein hohes Amt geeignet ist“.

josefDie Uraufführung inszenierte einen Tag davor allerdings ein Anderer: Was bei Werner Faymann noch zu einer unweigerlichen Palastrevolution geführt hätte macht jetzt ein KERNig, smarter Bundeskanzler klar. Kurz vor der „Präsidentenwahl“ setzte er sich mit dem jahrelang erklärten SPÖ-Todfeind Nr.1 HC Strache ins Radiokulturhaus und verkündete locker-flockig zu respektieren, „dass es diesem auch darum geht, das Land voranzubringen.“

Freundlicheres hat schon lang kein politischer Gegner mehr, vor allem keiner von der Spitze der Bundespartei der SPÖ, zum Chef der Freiheitlichen Partei – und damit auch zu dessen Wählern – gesagt“, bemerkt dazu Oliver Pink in der „Presse“. In zahlreichen Facebook-Postings erhält „Kerns FPÖ-Buhlschaft“ kräftigen Applaus: „Kernschmelze in der SPÖ!“, „Diese ewige Ausgrenzerei hat die SPÖ umgebracht!“, „Das ist Taktik, Strache zu entzaubern und die Opferrolle wegzunehmen und auf ein Terrain zu führen wo er nicht punkten kann“.

Applauslos, aber auch ohne Pfeifkonzert fiel die Kritik der sogenannten Parteilinken in der SP aus. Hat es ihnen im Angesicht dessen die Rede verschlagen, dass sich ihr Hoffnungsträger öffentlich „amikal“ mit Strache „duellierte“. Und, zum Abschluss noch fröhlich kundtat, dass er sich die Fortsetzung des Gesprächs im Anschluss der „Duell“-Runde, bei einem Bierchen mit dem „KÜHNEN-DREI-BIER-BESTELLER“, vorstellen kann.

Ein „One-Night-Stand“, ein erstes Rendevouz oder der Beginn einer längerfristigen Beziehung? Die sicherlich nicht als links geltende „Presse“ fragt dazu: „Wenn der Vorsitzende der SPÖ nun also so gut mit dem Oberhaupt der Blauen kann, dann kann doch auch der Kandidat der Blauen für die Hofburg nicht so schlimm sein, könnte sich nun manch unentschlossener Wähler, insbesondere aus dem Sympathisantenkreis der SPÖ, denken. Hat Christian Kern also am Mittwochabend die Siegeschancen Alexander Van der Bellens verspielt, um seine eigenen bei den kommenden Nationalratswahlen zu erhöhen?“