Klares Nein zum generellen 12-Stundentag

8-Stunden-Tag

Die Sozialpartner haben von der Regierung den Auftrag bekommen, sich bis Ende Juni über einen 1.500-Euro-Mindestlohn und eine Flexibilisierung der Arbeitszeit zu einigen. Die nächste Verhandlungsrunde mit Arbeiterkammer, Wirtschaftskammer, Landwirtschaftskammer und ÖGB findet am Mittwoch statt. AK-Präsident Rudolf Kaske sprach sich im Vorfeld klar gegen einen allgemeinen 12-Stundentag aus.

Kaske meinte am Dienstag zum von der Wirtschaft geforderten 12-Stundentag: „Hier könnte man sich sicher finden“. Allerdings müsse die Wirtschaftsseite dafür etwas einbringen. Es gebe genug Arbeitnehmerforderungen, etwa die sechste Urlaubswoche oder Arbeitszeitverkürzung. Außerdem gebe es in manchen Branchen bereits jetzt den 12-Stunden-Tag. „Für generelle 12 Stunden sind wir nicht zu haben“.

Auch eine Umsetzung der EU-Arbeitszeitrichtlinie, die sogar de facto einen 13-Stundentag ermöglichen würde (12,5 Stunden Arbeitszeit und eine halbe Stunde Pause, Anm.), lehnt er ab.

Beim Mindestlohn sei man in der Umsetzung schon weitergekommen, auch bei Ärzten und Rechtsanwälten gebe es bei einer Anhebung des Mindestlohns für deren Assistenten nun Bewegung. „Ich gehe davon aus, dass dieses Thema abgearbeitet werden kann“, sagte Kaske. Erneut plädierte er für die Umsetzung des Mindestlohns auf Kollektivvertrags-Ebene statt durch ein Gesetz. Eine Regierung könnte dann nämlich den Mindestlohn etwa nicht anheben oder sogar senken.

Ob überhaupt eine Sozialpartnereinigung zustande komme werde man schon vor dem 30. Juni wissen, und das auch kommunizieren, erwartet Kaske. Wenn es keine Einigung gebe sei das „auch kein Beinbruch“. Es gebe schon in vielen Bereichen Ausnahmeregelungen zur Arbeitszeit, alle Aufträge könnten abgearbeitet werden, gab sich Kaske überzeugt.

Erschienen bei der Wiener Zeitung, 6.6.2017