KV-Abschluss Metall schlechtes Zeichen für Lohnrunde

Als schlechtes Zeichen für die angelaufene Lohnrunde bewertet Josef Stingl, Bundesvorsitzender der Fraktion Gewerkschaftlicher Linksblock im ÖGB (GLB) den Kollektivvertragsabschluss für die Maschinen- und Metallwarenindustrie (1.200 Unternehmen, 120.000 Beschäftigte, 34,5 Milliarden Euro Umsatz): „Man kann und muss nämlich davon ausgehen, dass alle weiteren KV-Abschlüsse sich nicht über, sondern unter diesem Abschluss bewegen werden“, so Stingl.

Der Metall-Abschluss sieht eine Erhöhung der Löhne ab 1. November 2014 um 2,1 Prozent, jedoch nur eine solche von 1,7 Prozent für Zulagen und Diäten vor. Die von der Gewerkschaft forcierte, jedoch vom GLB als „sozialpartnerschaftliches Schwindelmodell“ kritisierte Freizeitoption wurde verworfen, weil der Fachverband FMMI im Abtausch ein Arbeitszeit-Flexibilisierungsmodell mit Kürzungen der Überstundenzuschläge verlangte. Mit diesem Abschluss übernimmt der als Leit-KV geltende Metall-KV de facto den Zweijahresabschluss für den Handel, der für 2014 eine Erhöhung um die Inflationsrate von aktuell 1,7 Prozent zuzüglich 0,4 Prozent vorsieht.

Einzig positiv am FMMI-Abschluss ist, dass dieser wie eigentlich für KV-Verhandlungen Standard im Gegensatz zum Handel nur für ein Jahr gilt. Negativ ist hingegen, dass kein Unterschied zwischen KV- und Ist-Abschluss erfolgt, offensichtlich weil von der Kapitalseite ein Ist-Abschluss schon während der Verhandlungen als unerwünscht bezeichnet wurde. Ebenso hatten die Unternehmervertreter versucht anstatt der österreichischen Inflation von 1,7 Prozent (August 2014) die durchschnittliche EU-Inflation von 0,5 Prozent als Messlatte anzulegen.

Aus der Sicht des GLB ist die Vertretung der Lohnabhängigen bei den Verhandlungen vorschnell in die Knie gegangen und hat auf eine breitere Mobilisierung der Betroffenen verzichtet: „Daher ist umso mehr eine Urabstimmung der vom KV betroffenen Belegschaften über das Ergebnis notwendig“ fordert Stingl.

Wenn FMMI-Obmann Christian Knill ganz unverblümt einräumt, dass es der Kapitalseite darum gegangen ist „die Belastung für die Betriebe aber insgesamt zu minimieren“ so zeigt dies, dass mehr Verhandlungsspielraum vorhanden gewesen wäre. Das lautstarke Jammern der Branche über die Wirtschafts- und Auftragslage ist bekanntlich nicht neu und dient alle Jahre wieder dazu, die KV-Erhöhungen auf ein Minimum zu beschränken.

Das Ergebnis zeigt sich daran, dass laut oö Arbeiterkammer die Produktivität von 1993 bis 2013 um 23,8 Prozent, die Bruttolöhne aber nur um 3,3 Prozent stiegen, während die Nettolöhne sogar um 2,9 Prozent gesunken sind. Der Löwenanteil des Produktivitätszuwachses wanderte also in die Taschen der Unternehmer, die freilich diesen Extraprofit nicht nach der verlogenen Leitl-Formel „Die Gewinne von heute sind die Arbeitsplätze“ von morgen in die Unternehmen investierten, sondern zum Großteil auf dem Kapitalmarkt verjuxt haben: „Mit dem jetzigen Abschluss wird diese bedenkliche Entwicklung fortgesetzt“, so Stingl abschließend.