Manipulation via VPI

Josef Stingl (ip) gifDer Verbraucherpreisindex (VPI) der Statistik Austria ist eine wichtige Kennzahl. Er ist beispielsweise Basis für die KV-Verhandlungen. Kritik dazu kommt vom Innsbrucker Uni-Professor Jürgen Huber und Tirols Caritas-Direktor Georg Schärmer.

Der Index orientiert sich nicht am tatsächlichen Konsumverhalten. Die tatsächliche Teuerung für ärmere Haushalte ist deutlich höher, als es der Index aussagt. Denn Wenigverdiener_innen müssen einen viel größeren Teil ihres Einkommens etwa für Essen und Wohnen ausgeben als Besserverdiener_innen.

Huber und Schärmer fordern daher einen einkommensspezifischen VPI. Als Folge daraus sollen die Löhne für Geringverdiener_innen stärker steigen als für Besserverdiener_innen: „Somit würde die Schere zwischen Arm und Reich kleiner, die Kaufkraft der Ärmeren gesteigert und ständig steigende Transferzahlungen unnötig werden.“

Aber auch die Zusammenstellung des Warenkorbs, in dem von Brot über Sprit, Mieten oder Schmuck die Preise von rund 800 Produkten und Dienstleistungen aufgelistet und gewichtet werden, ist den beiden ein Dorn im Auge: Beispielsweise werden Mieten nur mit rund vier Prozent im Warenkorb berücksichtigt, was alles anderen entspricht als der Realität.

Der Ruf nach Reformen bei der Inflationsberechnung ist nicht neu, aber durchaus berechtigt. Ein einziger Preisindex kann die Lebenswirklichkeit vieler Österreicher_innen nicht abdecken. Ob sich mit einkommensspezifischen Teuerungsraten auch höhere Löhne für Wenigverdiener_innen durchsetzen lassen, bleibt aber offen. Die hohe „gefühlte Inflation“ vieler Menschen in Zahlen zu gießen wäre aber allemal hilfreich. Denn derzeit jedenfalls wird an der Realität vieler Menschen vorbei gerechnet.