Michl pointiert?

„Wien Geschichte Wiki“, ein Service der Stadt Wien schreibt: „Ferdinand Hanusch, im Parlament, als sozialdemokratischer Abgeordneter, setzte er sich für den Achtstundentag ein. 1921 wurde Hanusch zum Direktor der Wiener Arbeiterkammer berufen, wo er Gelegenheit hatte, die auf seine Initiative zurückgehenden neuen Gesetze in der Praxis anzuwenden.“

Dieser Tage machte in Wien wieder einmal ein prominenter (und offensichtlich sehr fleißiger) Sozialdemokrat (nennen wir in kurz Michl) von sich Reden zum Thema Arbeitszeit gemacht. „Pointiert“ meinte er zur Verweigerung der Lehrer*innen zwei Stunden mehr zu arbeiten: „Wenn ich 22 Stunden in der Woche arbeite, bin ich Dienstagmittag fertig!“

Zunächst polemisch: Wenn du Michl in eineinhalb Tagen 22 Stunden arbeitest, dann bist du in dieser Zeit nicht immer in deinem Dienstbüro zu finden. Zu dem Arbeitszeitraum rechnest du auch die Zeiten für deine unbestreitbaren anderen, vorhandenen Aufgaben, z.B. auch die „repräsentative Gesichtswäsche auf so manch Wiener Heurigen“.

Jetzt ernsthaft: Die Arbeitszeit der Lehrer*innen endet nicht mit dem Verlassen der Unterrichtsstätte! Sie dürfen (oder müssen?) Teile ihrer Arbeit zu Hause erledigen – für Verbesserungen, Unterrichtsvorbereitung, etc. Im Übrigen eine Maßnahme die dir als Bürgermeister einiges erspart – stell dir vor du müsstet für diese Arbeit auf einen Schlag die dafür notwendige Infrastruktur zur Verfügung stellen?

Lehrer*innen, die ihren Beruf ernst nehmen (und ich gehe davon aus, dass das die Mehrheit ist), haben somit eine Arbeitszeit von rund 40 Wochenstunden und dies ist, nach unserem Arbeitszeitgesetz, Normalarbeitszeit. Oder willst du diese für die Lehrer*innen erhöhen? Wenn ja, wann soll diese Maßnahme auch für deine restlichen „Angestellten“ (Pflegepersonal, Straßenbahner*innen, Kindergärtner*innen, und, und und) gelten? Dein sozialdemokratischer Vorfahr Hanusch würde sich jedenfalls im Grab umdrehen.

Jetzt wollen Wiens sozialdemokratische Lehrer*innen protestieren und verweigern die Teilnahme am 1. Mai-Aufmasch. Liebe Kolleg*innen Lehrer*innen, ich sage das ist der falsche Weg. Der 1. Mai ist der internationale Kampftag der Arbeiterbewegung, zu der auch ihr gehört. Ihr tut mit diesem Protest weder dem Michl noch dem Werner was zu fleiß, sondern genau genommen nur euch selbst. Verlangt von eurer Parteispitze das Fernbleiben des bösen Michls – und wenn das nichts hilft gibt es auch eine alternative 1. Mai-Demonstration in Wien.