Mindestlohn: Das neue Vida-Kampfmittel, der Appell!

In die Mindestlohndebatte kommt Bewegung. Die Dienstleistungsgewerkschaft vida gab gestern in sieben Bundesländern eine Pressekonferenz, bei denen ein Appell an WKO-Präsidenten Christoph Leitl für eine Sonderverhandlungsrunde für 1.500 Euro Mindest-KV-Lohn gerichtet wurde: „Profitieren würden Beschäftigte und Unternehmer gleichermaßen!“

In Tirol informierten vida-Vorsitzender Günter Mayr und vida-Landesgeschäftsführer Philip Wohlgemuth, die Presse, dass ihre Gewerkschaft rund ein Drittel aller 450 Kollektivverträge verhandle und bei 18 davon die 1.500 Euro brutto noch nicht erreicht seien. Zwei Kollektivverträge liegen sogar unter der 1.300 Euro-Marke. „Eine Anhebung des kollektivvertraglichen Mindestlohns auf 1.500 Euro brutto ist zwingend notwendig. In einem reichen Land wie Österreich darf niemand trotz Vollzeit-Arbeit an oder unter der Armutsgrenze leben“, forderte Mayr. „Die Armutsgefährdungsschwelle liegt aktuell bei 1.161 Euro monatlich für einen Ein-Personen-Haushalt. In Österreich verdienen ungefähr 356.500 Arbeitnehmer_innen weniger als 1.500 Euro brutto, das entspricht ca. 1.200 Euro netto“, ergänzte Wohlgemuth.

Insgesamt verdienen 356.500 Vollzeitbeschäftigte unter 1500 Euro brutto monatlich. Dieser Betrag entspricht rund 1200 Euro netto.  „Alleine im Hotel- und Gastgewerbe würden von 220.000 Beschäftigten 100.000 einen Mindestlohn von 1.420 Euro bekommen“, berichtete in Wien vida- Vorsitzender Roman Hebenstreit. Auf die Kritik der Hoteliervereinigung (ÖHV): „Ich kann das Gesudere nicht mehr hören. Gerade in dieser Branche gibt es besonders viele prekäre Arbeitsverhältnisse.

Der Fahrplan der vida-Initiative ist laut Mayr, dass bis zum Jahresende in einer ersten Etappe die 1.500 Euro Mindestlohn für – fast – alle Realität ist: Bei den einen oder anderen KV, bei dem der Abstand zur 1.500-Euro-Marke sehr deutlich ist, kann dies vielleicht nur in zwei Schritten gehoben werden. Die 1.700 Euro Mindestlohn-Forderung des ÖGB werde dabei aber nicht aus den Augen gelassen.  Auf die Frage „Was wäre wenn der Appell nicht fruchtet?“ zeigte sich Mayr zuversichtlich, dass auch Sozialpartner WKÖ mitziehen wird. Eine Anhebung der kollektivvertraglichen Mindestlöhne stärkt die Kaufkraft und bedeutet auch für die Wirtschaft wichtige Impulse. Einen gesetzlichen Mindestlohn schließt er dezidiert aus. (jst/iz)