Mindestlohn ist nicht arbeitsplatzschädigend

Die Einführung eines Mindestlohns in Österreich in Höhe von 1.500 Euro würde jährliche Mehrkosten von 900 Millionen Euro mit sich bringen. Dies hat das Wirtschaftsforschungsinstitut EcoAustria errechnet, wie der neue „trend“ berichtet. Die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) kommt, nur auf die Vollzeitbeschäftigten bezogen, auf 200 bis 300 Mio. Euro pro Jahr, heißt es.

ÖGB-Präsident Erich Foglar hält dies für einen Mindestlohn von 1.500 Euro für überhöht. „Die Berechnungen waren zu erwarten, denn EcoAustria ist ein sehr industrienahes Institut“, sagte Foglar am Freitag zur APA. Auch die Schlussfolgerungen daraus, eine Schädlichkeit für Jobs, hält er für „nicht nachvollziehbar“.

Die Generalvereinbarung von 2007 – mit der die Mindesteinkommen schrittweise 2008/09 auf 1.000 Euro angehoben wurden – habe gezeigt, dass derartige Maßnahmen „keineswegs arbeitsplatzschädlich“ seien, sondern die Menschen mehr Geld und Kaufkraft hätten, so ÖGB-Chef Folgar.

Er sieht die damalige Generalvereinbarung der Sozialpartnerspitzen als Vorbild für einen neuen Pakt, der bis Ende Juni erzielbar sei. Darin sollten die KV-Partner ersucht werden, dass es bis zu einem Tag X keine Löhne mehr unter 1.500 Euro bzw. zu einem Tag Y keine mehr unter 1.700 Euro geben solle: „Wir werden trachten, in den Verhandlungen zu einer guten Lösung zu kommen“, so der Chef des Gewerkschaftsbundes.

Das Argument, dass Lohnerhöhungen zwingend die Preise klettern lassen würden, will der ÖGB-Chef so nicht teilen: „Preise steigen auch aus anderen Gründen. Eine Lohn-Preis-Spirale sehe ich nicht in einem gravierenden Ausmaß“ – insbesondere wo es hier ja nur rund um ein Zehntel der Beschäftigten gehe. „In der Gastronomie zum Beispiel sind auch ohne Lohnerhöhungen die Preise gestiegen.“ Lohnerhöhungen seien „immer ein beliebter Vorwand“, so Foglar.

Quelle: Tiroler Tageszeitung