Neoliberale Politik und Konzerne wollen gläsernen Menschen

wertEntschieden gegen die sich häufenden Vorstöße zur Abschaffung des Bargeldes spricht sich die Fraktion Gewerkschaftlicher Linksblock im ÖGB (GLB) aus: „Damit wird man kriminelle Geschäfte nicht beseitigen, dafür aber einen gläsernen Menschen nach dem Geschmack der neoliberalen Politik und der großen kapitalistischen Konzerne schaffen und das wollen wir nicht“ meint GLB-Bundesvorsitzender Josef Stingl.

Wie sogar der für seine Studien über Pfusch und Schwarzgeschäfte bekannte Linzer Uni-Professor Friedrich Schneider feststellt, kann mit der Abschaffung des Bargeldes weder Kriminalität, noch Terrorismus und auch nicht der Pfusch wirksam bekämpft werden. Auch die Österreichische Nationalbank (OeNB) hält nichts von den Plänen, die in Kreisen der Europäischen Zentralbank (EZB) gewälzt werden und betont die Bedeutung des Bargeldes als Zahlungsmittel.

„Schon jetzt hinterlassen die Menschen beim bargeldlosen Zahlungsverkehr digitale Spuren, die im Zuge einer immer umfassenderen Überwachung vom Staat und den Konzernen gegen sie benutzt werden können. Eine völlige Abschaffung des Bargeldes würde einen gläsernen Menschen schaffen, der voll und ganz den Interessen der Überwachungsorgane, aber auch der Konzerne in Bezug auf das Kaufverhalten und die Lebensgewohnheiten ausgeliefert würde“, warnt Stingl.

Wie die OeNB betont, würde die Abschaffung des Bargeldes auch die ohnehin schon jetzt enorme Ausplünderung der Konsument_innen durch die Gebühren der Banken für Überweisungen und digitales Bezahlen weiter verschärfen. Bekanntlich ist jetzt sogar eine Bankomatgebühr geplant. Ähnlich wie seinerzeit bei der Umstellung der Lohnauszahlungen in bar auf Girokonten oder dem Drängen zum Online-Banking erweist sich die angeblich kostengünstige Geldbehebung bei Bankomaten als Lug und Trug für die Konsument_innen und Abzockerei der Banken, um deren Profite zu sichern.

Wie Uni-Professor Schneider betont, würde eine bargeldlose Gesellschaft Kriminalität und Pfusch nur marginal verringern, weil es immer Wege und Möglichkeiten gibt andere Äquivalente zu finden. Vom wirklich großen Betrug durch systematische Steuerhinterziehung oder Steuervermeidung wie ihn die großen Konzerne wie Apple, Google, Amazon usw. praktizieren erst gar nicht zu reden.

Zu betonen ist, dass Bargeld auch eine gewisse Sicherheit schafft, etwa in Situationen des Ausfalls von Automaten oder digitaler Systeme. Damit ist Bargeld auch ein historisch entstandenes Kulturgut das zur Zahlungsdisziplin anregt, das nicht leichtfertig aufgegeben werden darf: „Denn was man im Geldbörsel hat verschafft Überblick, was man sich leisten kann, was beim bargeldlosen Verkehr in keiner vergleichbaren Weise der Fall ist. Auch ist mit Bargeld das Gefühl verbunden, nicht anonymen Systemen und digitaler Willkür ausgeliefert zu sein“, so Stingl abschließend.