(Neoliberale) Trendwende am Arbeitsmarkt

Erstmals seit fünf Jahren weist die offizielle Statistik einen Rückgang der Arbeitslosigkeit aus, sogar in Wien. Ende März waren inkl. Schulungsteilnehmer_innen rund 430.000 Menschen ohne Job, um 1,8 Prozent weniger als vor einem Jahr. Gleich wird gejubelt: »Jetzt ist sie aber wohl wirklich da, die Trendwende am Arbeitsmarkt«, so Johannes Kopf, Vorstandsmitglied des Arbeitsmarktservice (AMS) zu den März-Zahlen 2017. Für Sozialminister Alois Stöger zeigen die besseren Daten, »dass die Maßnahmen der Bundesregierung wirken«.

Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner sieht ein Licht am Horizont droht aber gleichzeitig, dass zur Nachhaltigkeit des Arbeitslosenrückgangs »flexible Arbeitszeiten, weniger Bürokratie (Anm.: umschreibt wohl weniger Arbeitnehmerschutz siehe Waxing-Affaire) und eine stärkere (Anm.: meint wohl restriktivere) Vermittlung von Arbeitslosen in freie Stellen notwendig sind«.

Was steckt aber wirklich hinter dem »Frühlingserwachen auf dem Arbeitsmarkt«? Die statistische Entspannung hat mehrere Ursachen: »Der frühlingshaft milde und sonnige März nützte vor allem der Baubranche, wo die traditionelle Winterarbeitslosigkeit heuer eine wesentlich geringere Rolle spielte als zuletzt. Das schöne Wetter lockte auch viele Tourist_innen zum Frühlings-Skilauf in die Wintersportgebiete. Dass dort der Rückgang weniger stark ausfiel hängt mit dem „Oster-Effekt“ zusammen. Im Vorjahr war Ostern im März«, vermerkt richtigerweise der Kurier.

Ebenso wird auch im Kurier zitierten Flüchtlingseffekt viel Wahres zu finden sein: »Im März des Vorjahres stieg die Arbeitslosigkeit vor allem wegen der hohen Anzahl an Flüchtlingen, die neu zum AMS kamen.« Viele Asylberechtigte findet man jetzt in der Schulungsstatistik. Die Zahl der Schulungen nahm im Jahresvergleich deutlich zu, insbesondere in Wien und Kärnten um zwölf Prozent.

Nicht vergessen darf man auch, dass statistisch die Jugendarbeitslosigkeit schon seit Monaten zurückgeht. Aber nicht weil es mehr Arbeitsplätze für die Jugendlichen gibt, sondern wegen des Geburtenknicks und daher weniger Junge auf den Arbeitsmarkt nachkommen. Eine nicht unwesentliche Frage ist auch, wohin der Abgang der arbeitslosen Menschen geht: In Vollzeitjobs, in nicht existenzsicherende Teilzeitjobs oder prekarisierte Beschäftigungsprogramme?

Sicher ist, dass sich der Anteil der Teilzeitbeschäftigungen rapide erhöht und sicher ist, dass sich Armut trotz Erwerbsarbeit ebenfalls im Steigen befindet. Wenn aus einem Vollzeitjob, zwei, drei oder gar vier Teilzeitjobs gemacht werden ist es selbstverständlich, dass mehr Menschen »am Arbeitsmarkt« unterkommen. Aber geholfen ist ihnen damit sicherlich auch nicht wirklich,

meint Euer

Josef Stingl