Notenbank-Experten bestätigen jahrelange Kritik des GLB

Wenn jetzt sogar schon die Notenbanken höhere Lohnabschlüsse fordern gibt es keinen Grund für den ÖGB für eine Zurückhaltung bei der kommenden Lohnrunde, stellt Josef Stingl, Bundesvorsitzender der Fraktion Gewerkschaftlicher Linksblock im ÖGB (GLB) fest. Die Deutsche Bundesbank hat jetzt die Gewerkschaften aufgefordert für höhere Lohnabschlüsse zu sorgen, weil Masseneinkommen und Konsum in den letzten Jahren zuwenig gewachsen sind. Damit wird die jahrelange Kritik des GLB an der defensiven, der Unterordnung unter die Wünsche des „Sozialpartners“ Wirtschaftskammer geschuldeten, Lohnpolitik der Gewerkschaften bestätigt: „Eine Lohnpolitik, die vorrangig dem Wettbewerbsdenken der exportorientierten Industrie nützt, aber die Stärkung der Inlandsnachfrage vernachlässigt verursacht längerfristig massive wirtschaftliche Verwerfungen“ betont Stingl.

Es darf nicht akzeptiert werden, dass wie Experten bestätigen die Gewinne der großen Konzerne und Banken ständig neue Rekordwerte erreichen, auf der Kehrseite aber die Lohnquote seit Mitte der 1970er Jahre eine sinkende Tendenz (Österreich von 75 auf 64 Prozent, Deutschland von 72 auf 66 Prozent, USA von 66 auf 58 Prozent) aufweist.

Einmal mehr zeigt sich, dass es nicht reicht, wenn bei Kollektivvertragsabschlüsse lediglich die Inflation abgegolten wird, hingegen der Produktivitätszuwachs vernachlässigt wird. Verschärft wird das dadurch, dass laut Wertschöpfungsbarometer der oö Arbeiterkammer seit Jahren ein wesentlicher Teil der aus dem von den Lohnabhängigen geschaffenen Mehrwert gepressten Profite nicht in die Unternehmen für sinnvolle Innovationen und hochwertige Arbeitsplätze investiert wird, sondern am Finanzmarkt oder beim aktuellen Immobilienboom verzockt wird.

Vor allem die schon von Karl Marx in seiner im „Kapital“ getroffenen Analyse des Kapitalismus vorhergesehene Tendenz zu einer immer größeren Konzentration des Kapitals in multinationalen Konzerne wird immer mehr zum Problem der Weltwirtschaft, wie nun auch Forscher aus Harvard, Zürich und Boston konstatieren.

„Während die global agierenden Multis das Primat in der Bedienung der Aktionär_innen mit Dividenden und der Manager mit Boni sehen, dazu als Weltmeister in der Steuervermeidung agieren, entziehen sie immer mehr erwirtschaftete Überschüsse der sinnvollen Weiterentwicklung der Wirtschaft, worunter wiederum die Produktivität leidet. Damit wird verdeutlicht, dass schon längst eine Vergesellschaftung der Multi-Monster notwendig ist“ so Stingl.