Pflege: Eklatante Gehaltsunterschiede

Die Beschäftigten im Gesundheitswesen verrichten eine höchst verantwortungsvolle Tätigkeit. Die Bezahlung wird allerdings der hohen Verantwortung und Belastung nicht gerecht. Die Grundgehälter und Zulagen werden je nach Dienstgeber (Land, Gemeinde oder Verein) in unterschiedlichen Kollektivverträgen geregelt und durch „willkürlich eingerechneten“ Zulagen aufgebessert. Im Gegensatz zu den Beschäftigten in den Krankenhäusern erhalten in Tirol jene in privaten Pflegeheimen trotz vieler Infektionsfälle (Aids, Hepertitis C, …) keine Infektions-Zulage. In einer aktuellen Pressemitteilung des ÖGB-Tirol wird von Eklatante Gehaltsunterschiede mit mehreren tausend Euro Differenz pro Jahr“ gesprochen. Konkret präsentierte der ÖGB folgende Rechenbeispiele:

13Berufseinsteigende Pflegehelfer_innen verdienen bei den Tirol Kliniken monatlich 247,95 € brutto mehr als Beschäftigte der Sozialwirtschaft Österreichs (private Pflegeheime, Sozialsprengel, mobile Pflegedienste,..) oder 243,25 € brutto mehr als Bedienstete der Tiroler Gemeinden und Gemeindeverbände. Nach zehn Jahren beträgt die Differenz immerhin noch 110 € brutto pro Monat bzw. 70,85 € brutto Diplomierte Krankenpfleger_innen verdienen beim Berufseinstieg bei den Tirol Kliniken monatlich 320,05 € brutto mehr als in der Sozialwirtschaft Österreich oder 234,55 € brutto mehr als ein/e Bedienstete/r der Tiroler Gemeinden oder Gemeindeverbände.“

Harald Schweighofer, Geschäftsführer der GPA-djp Tirol dazu: „In Summe macht der Gehaltsunterschied jährlich 4.480 Euro brutto aus. Keine Neiddebatte, sondern Soziale Arbeit muss in der Pflege gleich viel wert sein.“ Und Vida-Landesgeschäftsführer Philip Wohlgemuth meint „Ein zeitgemäßes und attraktives Gehaltssystem, wie es die Tiroler Landesregierung vor kurzem u.a. für die Beschäftigten der Tirol Kliniken fixiert hat, haben sich auch die Pflegekräfte in privaten Krankenhäusern, Pflegeheimen, in der mobilen Pflege sowie in den Gesundheits- und Sozialsprengeln verdient.“

Die Betriebsrätin des Gewerkschaftlichen Linksblock in ÖGB und AK (GLB) Maria Illetschko ergänzt: „Aber nicht nur die Gehaltszahlungen sind unterschiedlich, auch die Arbeitsbedingungen sind nicht gleich. Ganz abgesehen davon, dass im Bereich der Hauskrankenpflege- und Hauspflegebereich fast kein Vollzeitarbeitsplatz mehr zu finden ist und damit das Einkommen der ohnehin schon benachteiligten Pflegebeschäftigten nochmals geschmälert wird. Gerechte Löhne und Gehälter sind im Sinne der Patientinnen und Patienten und der dort beschäftigten Menschen. Insgesamt ein Thema, dass uns schon jahrelang verfolgt.“

Im GLB-Flugblatt zur AK-Wahl 2013 heißt es u.a.: „Das Grundrecht auf gleiche Entlohnung und Arbeitsbedingungen für gleiche Arbeit muss im Pflegebereich hergestellt werden. Das beinhaltet die deutliche Anhebung der KV-Basisentlohnung entsprechend der Leistung und unglaublichen Verantwortung des Pflegepersonals und die Vereinheitlichung der diversen Zulagen. Da der Kollektivvertrag und seine Erhöhungen im Gesetzesrang sind, muss die jährliche KV-Erhöhung auch fixer Bestandteil der Finanzierung der Sozial- und Gesundheitsvereine durch die öffentliche Hand werden. Der ständigen Überlastung des Pflegepersonals muss mit entsprechender Infrastruktur und einer deutlichen Reduzierung der gesetzlichen Wochenarbeitszeit entgegen gewirkt werden.“