Protest zum Wahlkampfauftakt der FPÖ in Innsbruck

Die Partei, die sich stets gerne als die Anwältin des „kleinen Mannes“ präsentiert, hat mit der „neuen“ Volkspartei den Wunschzettel der Industriellenvereinigung zum Regierungsprogramm gemacht. Es ist die FPÖ, die die gesetzliche Vertretung der Lohnabhängigen, die AK, zerschlagen möchte und damit auch einigen unter denen, die diesmal Strache die Stimme geliehen haben, die Möglichkeit entziehen will, zu ihrem Recht zu kommen. Beim Zwölf-Stunden-Tag ist die FPÖ nicht nur den Wünschen der ÖVP, sondern auch den ihrer eigenen Klientel unter den Wirtschaftstreibenden nachgekommen. Den Arbeiter*innen hat Strache damit jahrelang ins Gesicht gelogen.


Aus medizinischer Perspektive ist der Zwölf-Stunden-Tag jedoch als bedenklich. Der Körper kann sich nach solchen Marathonschichten kaum entsprechend erholen und braucht mehr zusammenhängende Freizeit, um sich zu regenerieren. Indem der Zwölf-Stunden-Tag zur Normalität erklärt wird, wird den Bedürfnissen von Menschen, die bereits bisher solche Schichten übernehmen, kaum mehr Rechnung getragen. Diese Ausdehnung der Arbeitszeit ist für die Gesellschaft so nützlich wie ein Kropf. Im Gegenteil: Eine Senkung der Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich wäre längst überfällig. Statt die Beschäftigten auszubeuten während das Ersatzheer der Arbeitslosen immer größer wird, ist eine Verteilung der Arbeit auf mehrere Schultern längst überfällig.

Offenkundig zählen für Hofer, Strache und Co nicht nur Flüchtlinge und Mindestsicherungsbezieher_innen zur „linken Schickeria“, sondern auch die Lohnabhängigen, die nun noch mehr arbeiten dürfen, sofern sie überhaupt einen Arbeitsplatz haben und nicht am Ende in Mindestsicherung landen, weil ja auch die Notstandshilfe abgeschafft werden soll. Einigen unter denen, die die FPÖ im Herbst gewählt haben, dürfte in nächster Zeit dämmern, dass sie hier einem großen Missverständnis aufgesessen sind. Diesen Irrtum können sie bei den künftigen Wahlgängen korrigieren.