Rattenberger Freiluftbühne: Kluibenschädel-Saga eine Hommage auf Untertilliach?

In Rattenberg war Premiere, heuer mit dem Stück „Die Kluibenschädel-Saga“. Die Geschichte spielt in Niederober-Unterberg, einem kleinen Fleck auf der Landkarte, der weit über seine Grenzen hinaus bekannt geworden ist, denn in ganz Österreich gibt es kein vergleichbares Phänomen: Alle Bewohner wählen bei der Nationalratswahl traditionell immer gemeinsam nur eine Partei – im harmonischsten Dorf Österreichs: das ist das Markenzeichen mit dem man punkten will.

Ohne Markenzeichen würde man in der Bedeutungslosigkeit (touristisch gesehen) versinken – und in den Schulden. Also: HARMONIE ist angesagt! Aber es kommt anders als Ferdinand Kluibenschädel – Bürgermeister und Metzgermeister in der 12. Generation – sich das vorstellt.  Ein querdenkerischer Hundslaggl rebelliert und votiert für die KPÖ. Sofort werden Verräter-Rufe laut, aber die marx’sche Liebäugelei zeigt bald nicht erahnte Wirkung. Sie weckt die verschlafenen Dörfeler_innen aus ihrem still erduldeten Einheitsbrei.

Eine Hommage? Im richtigen Leben, gibt es das Osttiroler Bergdörfchen Untertilliach, von ihrem Bürgermeister enttäuscht wandten sie sich ebenfalls der KPÖ zu, und das nicht nur einmal. Wikipedia dazu: „Bei den Nationalratswahlen im Jahr 2006 erlangte die Gemeinde durch das völlig ungewöhnliche Wahlergebnis von 12,6 % der Stimmen für die Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ), die Aufmerksamkeit der Medien. Bei den  Landtagswahlen 2008 konnte die KPÖ wiederum 11,76 % erringen und wurde zweitstärkste Partei in der Gemeinde. Bei den Nationalratswahlen im Jahr 2008  erlangte die KPÖ mit 18,8 % den dritten Platz hinter der ÖVP (46,5 %) und dem BZÖ (19,8 %) und erzielte damit ihren höchsten Stimmenanteil auf Gemeindeebene.“

Als der Tag der Wahl im fiktiven Niederober-Unterberg da ist, hat sich selbst ein Kamerateam aus Wien eingestellt, die Schützenkompanie marschiert auf, das Ergebnis wird verkündet……..Entsetzen macht sich breit!!!! Auch das erinnert mich an Untertilliach: Nach dem ersten „Tilliacher KPÖ-Wahlerfolg“ war vor der Landtagswahl auch in Untertilliach ein Wahlwahlkampftermin angesagt. Ein Postwurf  mit der Terminankündigung in einem Obertilliacher Gasthaus (Untertilliach hatte zu diesem Zeitpunkt keines) war schnell verschickt.

Dort angekommen gab’s zwei Gruppen, jene am Stammtisch und eine andere aufgereiht an der Bierpudel. Eine Runde Schnaps’ln und schon tat sich eine köstliche Unterhaltung mit den Stammtischerler_innenauf. Bis nach einiger Zeit einer meinte: „Wir müssen gestehen, wir sind keine Untertilliacher_innen, wir sind  aus der Gemeinde Obertilliach. Die do am Tresen, das sind die aus Untertilliach und der rechts außen ist ihr Wachhund und Bürgermeister und passt auf, dass keiner mit euch Kummerln redt.“

Zurück zum Stück auf der Schlossbergbühne Rattenberg. Es steht bis 5. August am Programm.

Josef Stingl