Replik auf den TT-Kommentar „Theorie und Verschwörung“

Vorweg: Ich teile die Auffassung, dass sich um das Bilderberg-Treffen eine Reihe von Verschwörungstheorien ranken, die schlichtweg mit der Realität nichts zu tun haben.

Zum einen stellt die Bilderberg-Konferenz keine Weltregierung dar, weil allein schon die Annahme abstrus wäre, dass sich eine solche in wechselnder Zusammensetzung nur einmal jährlich zusammenfände.

Zum anderen wäre es ein Trugschluss, davon auszugehen, dass die „Bilderberger“ bestimmten, wer in der Politik aufsteigt und fällt. Vielmehr richtet sich die Einladungspolitik des Komitees nach der „Kompetenz“ in Bezug auf ein bei der Bilderberg-Konferenz diskutiertes Themenfeld.
Allerdings gibt es auch abseits der bekannten Verschwörungstheorien gute Gründe, von diesen Treffen nicht gerade begeistert zu sein:

An diesen Treffen nehmen auch Vertreter_innen von Medien teil. Wenn dem so ist, dann darf ich erwarten, dass die teilnehmenden Redakteure darüber berichten, was hier besprochen wird. Ansonsten besteht eine Verflechtung zwischen Politik, Wirtschaft und der medialen Meinungsbildung. Ein solcher Zustand ist einer demokratischen Gesellschaft unwürdig.
Zudem werden zum Schutz dieses „privaten“ Treffens öffentliche Mittel eingesetzt. Es ist nicht einzusehen, warum die Allgemeinheit für die Sicherheit eines Treffens aufkommen soll, zu dem sie weder eingeladen noch hinreichend darüber informiert wird.

Neben diesen formalen und aus demokratiepolitischer Perspektive zumindest fragwürdigen Aspekten wird auch die politische und geostrategische Ausrichtung solcher Treffen kritisiert. So transparent ist die Bilderberg-Konferenz aber immerhin mittlerweile, dass sie nachher die besprochenen Themen online stellt. Ebenso wie die Gästeliste. Und allein daraus ergeben sich folgende Fragen:

Warum sind zu Fragen, die die Banken- und mittlerweile Finanzkrise betreffen, in erster Linie diejenigen geladen, die wesentlich für diese verantwortlich sind, während Vertreter_innen der Betroffenen der Krise, die Folgen mit dem Verlust ihrer Zukunftsperspektiven auszubaden haben, auf diesem erlesenen Treffen kein Forum haben?

Warum waren zur Konferenz 2014, als über die Frage, ob Privatheit überhaupt existiere, zwar keine Datenschützer_innen geladen, dafür aber Eric Schmidt, der Vorstandsvorsitzende von Google?

Auf derselben Konferenz wurde auch der Ukraine-Konflikt behandelt. Nicht geladen waren Vertreter_innen der Friedensbewegung. Warum aber der NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen, der zu den Scharfmachern in diesem Konflikt zählt?

Dass die geladenen Gäste – bis auf wenige Ausnahmen vielleicht – „auf NATO-Kurs“ sind und marktradikale Ansichten vertreten, ist übrigens offenkundig. Zudem geben geleakte Dokumente Aufschluss über den Verlauf dieser Konferenzen.

Ich kann Ihnen versichern, dass die Absage an Verschwörungstheorien, Rassismus und Antisemitismus Konsens in der Bilderbergprotest-Plattform Tirol ist, die nicht nur einen Protest organisiert, sondern auch noch Alternativveranstaltungen. Im Gegensatz zur Bilderberg-Konferenz muss man nicht auf der Gästeliste stehen, um dabei sein zu dürfen. Auch Freimaurer sind herzlich eingeladen.

Mag. Roland Steixner (Bilderbergprotest-Plattform Tirol)

http://bilderbergproteste.at