Rückzugsgefecht?

„2,8 Prozent Lohnerhöhung (…) Längst geht es bei den Kollektivvertragsverhandlungen nicht um Prozentsätze. (…) Viel schwieriger wird es bei der Flexibilisierung der Arbeitszeit, beim Aufdröseln der Gespräche auf die sechs einzelnen Fachverbände der Metallindustrie.

Diese Punkte gelten nicht nur für zwölf Monate. Sie werden in Stein gemeißelt – besser: in Stahl gebohrt. (…)

Josef Stingl (ip) gifUnd während die Gewerkschaft mit einer Lohnerhöhung weit über der – offiziellen – Inflationsrate als Sieger dasteht, werden bei genauerem Hinsehen die Löcher sichtbar. Sprich: Jetzt wird erstmals in den einzelnen Fachverbänden über die Flexibilisierung weiterverhandelt. Vor wenigen Tagen war dies für die Arbeitnehmer noch ein Tabuthema. Das ist kein Sieg, das ist ein Rückzugsgefecht“, kommentiert Gerhard Hofer in der „Presse“ den Metaller-Kollektivabschluss.

„Gewonnen hat gar keiner, die Sozialpartnerschaft hat gesiegt“, meinte nach dem Abschluss der steirische PRO-GE-Verhandler Hubert Holzapfel. Nicht mehr als ein Pyrrhussieg, denn die ungezügelte Arbeitszeitflexibilisierung mit unbegrenzten Durchrechnungszeiträumen und Lohnverlusten durch Streichung von Überstunden(zuschlägen) ist nur erst einmal vom Tisch.

Mit dem im KV verankerten verbindlichen Fahrplan auf „betriebliche Notwendigkeiten“, „Konjunkturzyklen“, „kurzfristige Auftragsschwankungen“ und „Kosten“ berücksichtigen sollenden Arbeitszeit-Modells steht das Tor für weiteren „Lohnraub“ mittels Arbeitszeitverlängerung weit offen.

Im Gegensatz zu laufenden KV-Verhandlungen sichert die fast einjährige Verhandlungsphase ein Feilschen unter Ausschluss der medialen Öffentlichkeit. Und danach? Kommt es zu einem weiterem „sozialpartnerschaftlichen Kompromiss- Flexibilisierungsschub der Arbeitszeit“ oder mobilisiert die Gewerkschaft zum „Weg auf die Straße“?

In der Einleitung wird deutlich, dass unter dem Titel „Vorwärts, Genossen, wir müssen zurück!“ selbst (der sicherlich nicht linksverdächtige) Presse-Wirtschaftsredakteur Gerhard Hofer sieht, wohin das Rückzugsgefecht der Gewerkschaft führen wird.