Streit um Mindestlohn

Die geplante Erhöhung des Mindestlohns auf 1500 Euro brutto beschäftigte gestern, Donnerstag, nicht nur den Sozialausschuss des Parlaments, sondern auch die politischen Akteure.
Gewerkschaft und Arbeiterkammer argumentierten, dass die Erhöhung keine Arbeitsplätze kosten würde. Sie reagierten damit auf eine Berechnung des Think-Tanks Agenda Austria, wonach der Mindestlohn mindestens 20.000 Jobs vernichten würde, davon 1050 im Handel und 2900 im Gewerbe.
In Deutschland habe die Einführung des Mindestlohns zu keinem Rückgang der Arbeitsplätze geführt, sagte Arbeiterkammerpräsident Rudolf Kaske. Dabei hätten Wirtschaftsforscher vor der Einführung einen Verlust von 900.000 Arbeitsplätzen vorausberechnet. Die deutsche Arbeitslosigkeit liege jetzt aber auf einem Rekordtief. Eine der Ursachen dafür sei, so Kaske, dass die seit 2015 höheren Löhne in Deutschland den Konsum angekurbelt haben. „Mindestlöhne kommen der Wirtschaft zugute, weil das Mehr an Einkommen sofort in den privaten Konsum fließt“, so Kaske. 80 von 100 Euro würden sofort wieder ausgegeben.
Quelle: Oberösterreichische Nachrichten

Der geplante Mindestlohn von 1500 Euro brutto stellt einige Branchen, die jetzt teils deutlich weniger zahlen, vor Herausforderungen. Besonders betroffen wären Textilreiniger, Mode-und Bekleidungstechniker sowie Friseure und Floristen. Höhere Löhne würden langfristig zu Verlagerungen ins billigere Ausland führen, warnten sie am Donnerstag.
Müssten diese Branchen tatsächlich 1500 Euro brutto zahlen, brächte dies „deutliche Mehrkosten“ für die Betriebe. „Die Anhebung des Lohnniveaus wird zudem dazu führen, dass der Lohnunterschied zwischen geringer und höher qualifizierten bzw. jüngeren und älteren Arbeitnehmern zunimmt“, so Walter Imp, Bundesinnungsmeister der Textilreiniger und Wäscher, in einer Aussendung. Die Verteuerung von Jobs werde „mit Sicherheit dazu beitragen, dass die Neuschaffung von Arbeitsplätzen überdacht wird“.
Der Mindestlohn dürfe kein Ersatz für Sozialleistungen sein und müsse jedenfalls mit der Flexibilisierung der Arbeitszeit verknüpft werden, so die Arbeitgebervertreter.
Quelle: Die Presse

Der Tourismusgipfel der Sozialpartner und der Tourismussprecher der Parlamentsparteien sowie der Hoteliervereinigung (ÖHV) hat eine Annäherung der Positionen gebracht. Arbeitgeber- wie Arbeitnehmervertreter waren nach den dreieinhalbstündigen Verhandlungen voll des Lobes für das gute Gesprächsklima, im März wird weitergesprochen. Auf die Einführung eines Mindestlohnes von 1500 Euro brutto ab Mai 2018 hatten sich die Sozialpartner bereits im Vorfeld des Gipfels geeinigt. Derzeit liegt er bei 1420 Euro. Am 21. Februar starten die Kollektivertragsverhandlungen für die Beschäftigten der Branche. Beide Seiten seien sich bewusst gewesen, dass es Handlungsbedarf gibt, um den Fachkräftemangel bei gleichzeitig 42.000 Arbeitslosen in der Branche zu bekämpfen.
Quelle: Vorarlberger Nachrichten