Tag Archives: Bildung

Buchbesprechung: ERIC VUILLARD: DIE TAGESORDNUNG

Ein schmales Bändchen über die Sauereien hinter verschlossenen Türen. Über den Pakt des Kapitals mit den zunächst finanzschwachen Nazis. Über das Treffen mit Schuschnigg, Papen und Hitler in Berchtesgaden… Aber der Reihe nach: Am 20. Februar 1933 treffen sich 24 Industriegrößen mit Hitler und Göring zwecks Fundraising. Hitler teilt den mächtigen Charaktermasken aus Finanz und Industrie klipp und klar mit, dass seine Partei Geld braucht. „Es gelte, mit einem schwachen Regime Schluss zu machen, die kommunistische Bedrohung abzuwehren, die Gewerkschaften abzuschaffen und jedem Chef zu erlauben, in seinem Unternehmen ein Führer zu sein.“

Schule am Weg zurück ins letzte Jahrhundert

Nach 100 Tagen der „neuen Regierung“ wird immer klarer, dass wir auf ein „Bildungssystem“ wie in den 1960er Jahren zusteuern, das damals schon nicht das Beste war: Von einer (bereits lange schon ratifizierten) UN-Menschenrechtskonvention ist seit 100 Tagen nichts mehr zu hören oder zu lesen. Wider besseres Wissen sollen nun wieder die Sonderschulen gestärkt werden.

Widerstand der Innsbrucker Studierenden gegen schwarz-blaue Einschnitte

Am 17.1. versammelten sich bei widrigsten Wetterbedingungen etwa 150 Studierende der Universität Innsbruck für eine Kundgebung gegen die Vorhaben der schwarz-blauen Bundesregierung. Von den geplanten Einschnitten an den Unis und bei den Studierenden richtete sich der Protest vor allem gegen die Einführung von Studiengebühren, die, wie auch unter der letzten schwarz-blauen Bundesregierung, die Studienbedigungen nicht verbessern.

Bei Bildungsreform nicht auf Lehre vergessen!

Eine bestmögliche Ausbildung für alle Jugendlichen fordert Tirols ÖGB-Vorsitzender Philip Wohlgemuth. Im Zuge der Bildungsreform darf die Attraktivierung der Lehrausbildung nicht aus den Augen verloren werden! Sie ist der Grundpfeiler unserer Fachkräfte-Ausbildung. Akademiker_innen sind wichtig für unsere Gesellschaft, aber Menschen, die beispielsweise unsere Leitungen legen, ebenso!

Im Mittelpunkt der Mensch!

Sascha Ernszt wurde beim 35. Bundesjugendkongress des ÖGB, der unter dem Motto »keine Arbeit – keine Zukunft? Revolution!« tagte, mit 94,7 Prozent zum Vorsitzenden wiedergewählt. »Unsere Revolution ist es, den Menschen wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Denn wenn Unternehmen die ArbeitnehmerInnen durch Maschinen ersetzen, hat das meist nur einen Sinn, nämlich in immer weniger Zeit mit immer weniger Beschäftigten immer höhere Profite einzufahren«, kritisiert Ernszt. Um mit den Herausforderungen der Digitalisierung mithalten zu können, müssen Schule, Lehrausbildung, Aus- und Weiterbildung neu gedacht und modernisiert werden.

Regierungs-Neustart: Nicht genügend! Setzen!

Nach Plan A folgt erfahrungsgemäß Plan B, jetzt mit der neuen – von allen Minister_innen unterzeichneten – Regierungserklärung. War „Kerns Plan A“ schon, das in wohlklingende Worte gefasste Fortschreiben der neoliberalen Politik, was bedeutet dann erst die jetzige Regierungserklärung. Bei solchen Papieren erklärt die ÖGB-Spitze gerne, dass sie jegliche Regierung nach der Berücksichtigung der Arbeitnehmer_innen-Interessen bewertet.

„A wie Anfang. A wie Anpacken. A wie Austria.“ Oder, A wie Anbiederung?

Die Wahlen rücken näher, die „führenden Sozialdemokrat_innen“ (nur sie?) sehen ihre Felle dahinschwimmen. Ihr neuer „ Wunderwuzzi mit Kern“ hat in seiner Welser Grundsatzrede die „Lösung“ skizziert, beziehungsweise wurden sie in einer knapp 150-seitigen Broschüre zusammengefasst.

TT-Leserbrief zum Thema: „Ich steh’ auf Verantwortung“

Da ist wohl etwas durcheinandergeraten. Bitte, wo steht in der Bibel bzw. in den Evangelien etwas zur Gerechtigkeit für Leistungswillige? Jesus spricht von Liebe zu den Nächsten und davon, dass der Mensch das Gute, das er oder sie den Mitmenschen angedeihen lässt, ihm selbst tut. Und Papst Franziskus schlägt in dieselbe Kerbe und geißelt Gier und Habsucht der Superreichen und Mächtigen. Weg mit den Lohnnebenkosten? Die Frage löst eine Gegenfrage aus: Woher soll das Geld für Schulen, Spitäler, Forschung, ja und auch Bankenrettung oder Menschen, deren Arbeitsplatz einfach vernichtet wurde, kommen?

Station in Not

gesDie Neuauflage des Gesundheits- und Krankenpflegegesetzes (GuKG) bringt in den Krankenanstalten einschneidende Veränderungen für PatientInnen und Pflegepersonal. Während mit einer Aufwertung der diplomierten Pflege durch Akademisierung geworben wird, bedeutet diese Novelle in Wirklichkeit eine ökonomisch initiierte Herabsetzung der Qualifikation am Krankenbett.

Die Ausbildung im gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege („Diplomierte Pflege“) dauert derzeit 3 Jahre und ist multiprofessionell sowie ganzheitlich ausgerichtet. Die Betreuung in den Krankenanstalten wird zu einem großen Teil von dieser Berufsgruppe durchgeführt. Gleichzeitig hat es das Personal mit immer älteren PatientInnen zu tun, die an komplexen Erkrankungen (Demenz, Diabetes, chronische Wunden usw.) leiden. Dies ist schon jetzt eine große berufliche Herausforderung.

Die fortschreitende Ökonomisierung des Krankenanstaltenwesens bedeutet für die Träger hohen Sparzwang. Durch Einsparungen bei der ärztlichen Betreuung übernimmt die Pflege inzwischen vermehrt medizinische Aufgaben. Bis vor Kurzem sollte sich die Pflege noch von den ärztlichen Hilfstätigkeiten emanzipieren. Davon ist nun keine Rede mehr, dafür müssen bald z.B. auch Bluttransfusionen nebenbei im stressigen Stationsalltag durchgeführt werden.

Neue Berufsbilder ersetzen die qualifizierte Pflege

Die diplomierte Pflege wird im Übergang bis 2024 nur mehr als Bachelor an Fachhochschulen ausgebildet, mit einer geringeren praktischen Ausbildung bei gleicher Dauer und mit deutlich weniger geplanten AbsolventInnen. Durch die Hintertür werden dafür zwei neue Berufsbilder eingeführt: „PflegeassistentInnen“ und „PflegefachassistentInnen“ sollen viele Tätigkeiten des gehobenen Dienstes übernehmen.

Nun gibt es die „PflegeassistentInnen“ als Pflegehelfer schon seit langem, deren Ausbildung wird mit einem Jahr gleichbleiben. Viel interessanter für die Entscheidungsträger in den Spitälern sind die neuen und kostensparenden „PflegefachassistentInnen“: Bei einer verkürzten Ausbildung von zwei Jahren (jeder Lehrberuf dauert länger!) dürfen sie komplexe Pflege durchführen, Medikamente verabreichen usw. Dies alles natürlich nur unter Anordnung und Aufsicht der diplomierten Pflege.

Der Plan: mehr billiges Hilfs-, weniger teures Fachpersonal

Verantwortliche im Krankenanstaltenverbund Wien (KAV) träumen schon von nur mehr 20 Prozent diplomierten PflegerInnen auf den Stationen, den Rest der pflegerischen Arbeit (80 Prozent) sollen die wesentlich geringer entlohnten „PflegefachassistentInnen“ übernehmen. Dadurch kommt es zu einem deutlichen Abbau des qualifizierten Personals am Krankenbett.

Eine diplomierte Pflegekraft im Dienst wird zum „Hilfsarzt“ für ca. 30-40 PatientInnen und setzt Sonden, verabreicht Infusionen, Zytostatika, Bluttransfusionen, usw. Gleichzeitig soll sie noch die Pflege der multimorbiden* PatientInnen durch die Hilfskräfte überwachen, planen, evaluieren und dokumentieren, in ihrer eigenen Verantwortung. Die Krankenhausbetreiber reiben sich die Hände, so können Personalkosten eingespart werden. Übrig bleibt die Pflege: der gehobene Dienst mit unerfüllbaren Verantwortungen und die „Fachassistenz“ mit komplexer Arbeit ohne adäquate Ausbildung. Am Meisten leiden die PatientInnen, denn am Bett stehen die Hilfskräfte.

Widerstand ist notwendig!

Ziel dieser „Reform“ ist ein weiteres Mal Kostenreduktion auf dem Rücken des Personals und der PatientInnen. In der Pflege formiert sich Widerstand, dies reicht jedoch nicht. Nur breite Aufklärung und Solidarisierung mit den PatientInnen gegen die zukünftige Herabqualifizierung ihrer Betreuung in den Krankenhäusern kann eine Änderung bewirken. Zusammen gegen die schleichende Aushöhlung der medizinischen und pflegerischen Behandlung in den Spitälern!

* Multimorbidität – das gleichzeitige Bestehen mehrerer – oft verbundener – Krankheiten bei einer einzelnen Person. Bedingt durch das zunehmende Alter der Bevölkerung gibt es eine Zunahme. Die Betreuung, Vorsorge und Nachsorge wird immer komplexer.

Patrick Kaiser, Intensivpfleger in einem Wiener Krankenhaus und GLB-Aktivist

Nicht an diesem Ort! Nicht mit diesem Geld!

Jeder kann sich einen überlebensgroßen Eduard Wallnöfer in Bronze nachbauen lassen. Jeder kann sich diesen vor oder hinter seinem Haus aufstellen.  Was aber gar nicht geht, ist, Landesgedächtnisstiftungsgelder missbräuchlich für ein Heldendenkmal des Nazimitläufers zu verwenden und es auf einem Platz aufzustellen, der dem Gedenken an die Opfer des Dritten Reiches und an die Kämpfer gegen das Regime dient.