Tirol ist anders!

In den meisten Bundesländern sind die Arbeiterkammern SPÖ-dominiert. In Tirol liegt die Führungsmacht beim ÖAAB. Etwas anders auch der Sprech des – laut eigenen Angaben – „echt schwarzen“ Präsidenten Erwin Zangerl. Hemmungslos kritisiert er nicht nur „die Anderen“, sondern auch seine eigene Partei. Dass seine ÖAAB-Kolleg_innen in Parlament und Landtag trotzdem konträr zu ihm abstimmen verschweigt Zangerl aber lieber dezent.

Anders gewickelt ist in Tirol auch die AK-Opposition. Die FSG spielen im heiligen Lande ohnehin eine untergeordnete Rolle. Sowohl 2009, als auch 2014 konnten sie nicht einmal jede fünfte Stimme bei der AK-Wahl sichern, von den „AK-Grünen“ war öffentlich de facto nichts zu hören und die Freiheitlichen Arbeitnehmer trommeln im Gegensatz zu ihren Mandatskollegen in anderen Bundesländern hierzulande gegen 12-Stundentag und 60-Stundenwoche und Pro-AK. Die Hälfte ihrer Mandatare hat wegen des arbeitnehmerfeindlichen Auftritts ihrer regierenden Mutterpartei den Rücken gekehrt und sind aus der FPÖ ausgetreten. Einer davon hat beim ÖAAB angedockt.

Als Folge dieser Entwicklung hat die Tiroler FPÖ angekündigt 2019 in Tirol bei der AK-Wahl mit einer Parteiliste zu kandidieren. Ihr Spitzenkandidat wurde 2010 sogar der FPÖ zu rechtsextrem und ausgeschlossen. Jetzt hat ihn FPÖ-Landeschef Markus Abwerzger „rehabilitiert“, zum Landespartei-Generalsekretär befördert und mit der AK-Wahl-Spitzenkandidatur geadelt.

ALI plus GLB = Gewerkschaftliche Linke

Auch der GLB versucht in Tirol einen anderen Weg. Gemeinsam mit der Innsbrucker Gemeinderatsliste ALI initiierten die Linksgewerkschafter_innen ein Wahlprojekt, mit dem Ziel das linke Spektrum zu bündeln. Gemeinsam kandidieren sie als ALI-GLB – Gewerkschaftliche Linke.

Rasch hat sich dieses Projekt zu einem breiten Zusammenschluss aus Alternativen Liste Innsbruck (ALI), dem Gewerkschaftlichen Linksblock (GLB) und zahlreichen zivilgesellschaftlichen Initiativen, Migrant_innenvereinen und Einzelpersonen entwickelt. In einigen großen Firmen haben sich bereits unterstützende Betriebskomitees gebildet. Das Sammeln der notwendigen 300 Unterschriften für den Antritt war damit keine Hürde, weit über 500 Menschen haben die Kandidatur unterstützt.

Gegen die Einheit einer linken Kraft stellt sich die Komintern. Sie zieht es vor eigenständig zu kandidieren – auf Druck aus Wien, wie von manch einer ihrer Genoss_innen hinter vorgehaltener Hand eingestanden wird.

Junge Ergotherapeutin Spitzenkandidatin

Als Spitzenkandidatin für Gewerkschaftliche Linke tritt die 37-jährige Ergotherapeutin Evi Kofler an – übrigens die einzige Frau, die in Tirol bei der AK-Wahl 2019 an der Spitze einer Liste kandidiert. Sie ist seit Jahren zivilgesellschaftlich aktiv und ist Mitbegründerin und Obfrau der Alternativen Liste Innsbruck. Ihre Motivation für den Antritt: „Mir geht es darum, konkret an Schritten zur positiven Veränderung zu arbeiten. Den Menschen muss im Schnitt mehr bleiben.“

Das Spitzenduo ergänzt der 58-jährige Koch Josef Stingl, der nicht nur die Errungenschaften der Arbeiter_innenbewegung bewahren will, sondern diese vor allem auszubauen möchte. Seine Devise: „Wöchentlich 30 Stunden Arbeitszeit sind genug, 13 Euro das Mindeste, und das wertgesichert.“

Insgesamt kandidieren 78 Kolleg_innen für die 70-köpfige AK-Vollversammlung für die Gewerkschaftliche Linke, im Reißverschlussverfahren jung und alt, Inländer_innen und zahlreiche Migrat_innen, Arbeiter_innen und Angestellte, Vollzeitbeschäftigte und Teilzeitbeschäftigte, freie Dienstnehmer_innen, geringfügig Beschäftigte usw. Eine Liste mit einem repräsentativen Querschnitt, bunt und vielfältig wie der Tiroler Arbeitswelt Tirols. Auch ein Asylwerber mit negativen Asylbescheid ist auf der neuen linken Liste zu finden.

Denk- statt Parteiprojekt…

… so sieht sich die Gewerkschaftliche Linke. Programmatisch gibt es zwar eine Hauptlinie, aber an den einzelnen Punkten wird in den nächsten Wochen noch gemeinschaftlich gefeilt. Fix ist, der Gewerkschaftlichen Linken geht es um einen gesetzlich verankerten Mindestlohn, der wertgesichert und unabhängig von Kollektivverträgen ist und um eine Verkürzung der Arbeitszeit auf 30 Stunden pro Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich, die angesichts des Wirtschaftswachstums und der gesteigerten Produktivität längst überfällig ist.

Zu guter Letzt reagiert frau/man auf den Wunsch vieler Menschen nach einer besseren Work-Life-Balance. Leben ist mehr als nur Erwerbsarbeit. Freizeit, Erholung, Sport oder kulturelle Aktivitäten sind ein Bedürfnis vieler – dafür muss genügend Zeit zur Verfügung stehen. Damit frau/man allerdings uneingeschränkt am sozialen und gesellschaftlichen Leben ungehindert teilhaben kann bedarf es einer bedarfsbezogenen Existenzsicherung, die von der Gesellschaft garantiert ist.

„Natürlich kandidieren wir nicht aus Jux und Tollerei. Unser primäres Ziel ist im Februar 2019 in der neuen Vollversammlung der AK-Tirol vertreten zu sein – und das am Besten in Fraktionsstärke“, formuliert der Tiroler GLBler Josef Stingl das Wahlziel der Gewerkschaftlichen Linken.

(entnommen aus der GLB-Zeitschrift „Die Arbeit“ Nr. 4/2018)

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