Tiroler Gastfreundschaft

Innsbruck ist die teuerste Wohnstadt Österreichs und Tirol, das Bundesland mit dem niedrigsten Lohnniveau. Wohnen ist daher für zahlreiche Tiroler_innen fast nicht mehr finanzierbar und ein Armmacher. Ich bin kein Freund von Mietzinsbeihilfen, diese gehen nämlich in der Regel eins zu eins an die Vermieter_innen über. Aber, aufgrund des Tiroler Istzustandes sind sie ein Übel auf das nicht verzichtet werden kann. Lange hat es gedauert, dass es eine landesweite, landeseinheitliche Regelung gibt, jetzt ist es soweit. Gut ist, bzw. wird damit aber noch lange nichts.

Flexibilität ist ein Zauberwort, was uns gerne um die Ohren geschmiert wird. Flexibel bei der Arbeitszeit und flexibel beim Standort des Arbeitsplatzes sollen wir sein. Viele dieser Flexiblen haben ihr Zuhause verlassen und leben und arbeiten – vor allem in der Tourismusbranche – bei uns in Tirol. Sie verdienen jetzt in den Gaststätten mehr oder minder bescheidene Brötchen. Sie kommen aus anderen Bundesländern, aus ganz Europa, aus Afrika, und, und, und…

Deren Arbeitsleistung und deren Wertschöpfung wird von den Wirten und Hoteliers, den Wirtschaftstreibenden und den Einheimischen  gerne gesehen und genommen. Wollen die zugewanderten Arbeitskräfte allerdings hier sesshaft werden ist es meist aus mit der Freundschaft. Ein „bunter Schrebergarten“  im heiligen Lande ist unerwünscht.

Daher gibt es Hürden: Einen Anspruch auf eine Gemeindewohnung gibt es erst bei einem Nachweis eines mehrjährigen Hauptwohnsitzes oder Arbeitsplatzes in der jeweiligen Gemeinde. Danach dauert´s nochmals. Das gemeindeeigene Wohnangebot ist meist schmal, die Listen elend lang.

Bleibt nur der sogenannte „freie Wohnungsmarkt“, da sind allerdings die Mieten oft sogar trotz Mietbeihilfe schier unleistbar. Und mit einer zweijährigen Mindesthauptwohnsitzverpflichtung wird der Anspruch auf Mietbeihilfe  auch noch behindert. Daher bleibt vielen Zuwander_innen trotz neuem Lebensmittelpunkts nur der Ausweg sich wieder so flexibel zu zeigen und abzuwandern.

Am Ruder dieses Landes sind die Schwarzen und die Grünen. Erstere gelten als christlich-sozial, zweitere als „Gutmenschen“. Dieser Umgang ist christlich, ist sozial und gut für die Menschen?

Josef Stingl

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