Versammlung der Eliten

Anfang Juni diesen Jahres befindet sich Tirol im Ausnahmezustand. Das Areal rund um das Interalpen Hotel Tyrol wird großräumig abgeriegelt. Für die Polizei gibt es Urlaubssperre und für Drachen- und Gleitschirmflieger kein Durchkommen.

Die Sicherheit der TeilnehmerInnen der Bilderberg-Konferenz muss gewährleistet werden. Kosten soll der Spaß den Veranstaltern nichts, da es sich um keine gewinnorientierte Veranstaltung handle, so lautet es aus dem Innenministerium.

Wenn sich Eliten treffen…

Bei der Bilderberg-Konferenz handelt es sich freilich nicht um eine Kunstauktion, sondern um ein alljährliches Treffen von Eliten aus Wirtschaft, Politik, Militär, Medien und Adel. Alljährlich wählt ein Komitee rund 150 Personen aus dem gesellschaftlichen Leben aus, die an diesen Treffen teilnehmen.

Die Bilderberg-Treffen gehen auf eine Initiative von Prinz Bernhard der Niederlanden zurück, der ausgewählte Leute aus Politik und Wirtschaft aus den NATO-Ländern zusammenbringen wollte, um die Beziehungen zwischen USA und Westeuropa zu verbessern.

Für „westliche Werte“

Geleakte Dokumente sind zwar rar, dafür aber aufschlussreich. Das jüngste zugängliche Dokument stammt aus dem Bilderbergtreffen in Bad Aachen 1980. Was aus diesem Schriftstück hervorgeht, ist deutlich erkennbar: Es geht vor allem darum, wie in der Welt ein günstiges Klima für die „westlichen Werte“ geschaffen werden kann und es wird lange und breit darüber diskutiert, wie der „Kommunismus“ zurückgedrängt werden kann. Auch nach dem Untergang des Realsozialismus dürfte sich an der Stoßrichtung der Gespräche wenig geändert haben. Dafür garantieren schon die Namen auf den Teilnehmerlisten. Wenn Christine Lagarde und Josef Ackermann neben Henry Kissinger auf den Gästelisten zu finden sind, so darf davon ausgegangen werden, dass die Interessen der „Verdammten dieser Erde“ wohl eher nicht vorderste Priorität bei diesen Treffen haben.

Es sei jedem und jeder unbenommen, sich privat mit anderen zu treffen, doch bei den Bilderberg-Treffen werden gewählte PolitikerInnen und Leute aus Wirtschaft, Militär und Medien zusammengebracht. Die Öffentlichkeit hat daher ein gut begründetes Interesse, zu erfahren, was der Inhalt dieser Treffen ist. Insbesondere dann, wenn PolitikerInnen die Überwachung von Bevölkerungsteilen als das Patentrezept gegen den Terrorismus ausgeben, sich aber selber nicht auf die Finger sehen lassen wollen. Besonders pikant ist das dann, wenn etwa unter der Anwesenheit des Google Aufsichtsratsvorsitzenden Eric Schmidt über die Frage diskutiert wird, ob es überhaupt eine Privatsphäre gibt.

Symptom herrschender Politik

Die Bilderberger sind ebenso wenig eine „Geheime Weltregierung“ wie die G7, die Atlantikbrücke und Bertelsmann-Stiftung. Ob beim diesmaligen Treffen der 100. Geburtstag von David Rockefeller gebührend gefeiert wird oder nicht, kann auch ziemlich egal sein. Tatsache ist aber auch, dass die Bilderberg-Konferenzen zusammen mit anderen exklusiven Elitenversammlungen ein Symptom dafür sind, dass die herrschende Politik maßgeblich vom Diskurs der Eliten bestimmt wird und dieser gut abgeschirmt ist von der breiten Öffentlichkeit, die hierbei wenig zu melden hat. Es herrscht eine Politik der vollendeten Tatsachen vor, wobei die Bevölkerung selten darüber befragt wird, ob sie mit dem Ergebnis einverstanden ist.

Roland Steixner hat Latinistik studiert, arbeitet als Portier und Nachhilfelehrer in Innsbruck und ist Srecher der KPÖ-Tirol