Vor 70 Jahren ein Widerstandslied, heute in den Charts

Der HUGEL Remix von „Bella Ciao“ führt die österreichischen Charts an. Auch in Deutschland ist es der Hit des Sommers. Dabei ist das Lied über 70 Jahre alt. Ein paar Infos zum Original. Bella Ciao besingt antifaschistischen Widerstand. Der Text stammt aus der Resistenza, der italienischen Widerstandsbewegung gegen Faschismus und Nationalsozialismus während des Zweiten Weltkrieges. Wer den Liedtext geschrieben hat, ist unbekannt. Das Lied erzählt die Geschichte eines Partisanen, der sich von seiner „Schönen“, also der Frau seines Lebens, verabschiedet. Er zieht in den Kampf und weiß, dass er dabei sterben kann.

Bella Ciao wurde in viele Sprachen übersetzt und ist noch heute eines der bekanntesten Gedenklieder. Die deutschen Sänger Hannes Wader und Konstantin Wecker haben es gemeinsam performt. Und auch die Toten Hosen spielen es gelegentlich bei Konzerten.

Bella Ciao-Melodie: Klagelied über harte Arbeitsbedingungen

Die Melodie von Bella Ciao ist älter als sein Text. Die erste dokumentierte Fassung stammt aus 1906. In einem Lied klagen Reispflückerinnen in der Nähe von Bologna über die schlechten Arbeitsbedingungen in der Hitze des Sommers:

A lavorare laggiù in risaia, o bella ciao, bella ciao.
Bella ciao ciao ciao! A lavorare laggiù in risaia
Sotto il sol che picchia giù!

Zu Deutsch:
Dort unten im Reisfeld zwischen den Insekten den Mücken und Bremsen, unter der stechenden Sonne muss ich schwere Arbeit verrichten.

Der Chef überwacht „mit einem Stock in der Hand“ die Arbeit der Frauen. Er zahlt einen Hungerlohn. Doch die Arbeiterinnen hoffen darauf, irgendwann in Freiheit zu arbeiten:

Ma verrà il giorno che tutte quante o bella ciao, bella ciao
Bella ciao ciao ciao, ma verrà il giorno que tutte quante
lavoremo in libertà.

Zu Deutsch:
Aber es kommt der Tag, wo wir alle in Freiheit arbeiten werden.

Ein Film von Giuseppe De Santis, „Bitterer Reis„, zeigt dieses Elend und den Widerstand der Reispflückerinnen.

Der Protest-Soundtrack

Noch heute ist „Bella Ciao“ ein Lied des Widerstands. Angestimmt wird es auf Gedenkfeiern, auf Demonstrationen und verschiedenen Protestveranstaltungen. Als der italienische Innenminister und Chef der Lega Nord, Matteo Salvini, auf seiner Reise nach Brindisi via Shuttlebus zu seinem Flugzeug gebracht wurde, stimmten GewerkschafterInnen und andere Passagiere aus Protest im Bus das Lied „Bella Ciao“ an. Salvini hatte zuvor angekündigt, in Italien lebenden Roma und Sinti zählen lassen zu wollen.

gekürzt von www.kontrast.at

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.