Vorsicht, Teilzeitfalle!

Teilzeit, Teilzeit, Teilzeit, ganze Branchen – insbesondere im Handel und Pflegebereich – bieten fast nur mehr Jobs mit verminderter Arbeitszeit an. Vor allem Frauen greifen zu diesem „Angebot“, nicht aus Faulheit und meist nicht freiwillig! Ihre Lebensumstände, wie Doppelbelastung, fehlende Kinderbetreuungsplätze, der Druck am Arbeitsplatz oder eben das Arbeitsplatzangebot lassen nichts anderes zu.

Laut Arbeiterkammer arbeiten in Tirol nur 68 Prozent aller Frauen ganzjährig, davon nicht einmal ein Drittel (32 %) Vollzeit. Das heißt im Klartext, dass nur jede Fünfte aller Tiroler lohnabhängigen Frauen einen ganzjährigen Vollzeitarbeitsplatz hat. Teilzeitarbeit bedeutet allerdings auch Teilzeiteinkommen – Wohn- und Lebenskosten bleiben bei hundert Prozent. Nicht verwunderlich, dass laut neuester Working-Poor-Studie rund 85.000 Tiroler_innen von ihrem Einkommen nicht leben können.

Nur ein Fünftel der Teilzeitbeschäftigten gibt an, dass sie keinen Vollzeitarbeitsplatz wollen. Und einmal in der Falle Teilzeitarbeit gefangen, gibt‘s bis zum Lebensabend kein entrinnen. Zurück switchen zu einem Vollzeitarbeitsplatz scheint schier unmöglich, einen rechtlichen Anspruch darauf gibt es nicht. Und selbst im Ruhestand wirkt sich die Teilzeitbeschäftigung nochmals negativ aus. Die geringeren Pensionsbeiträge bringen auch ein weniger an Pensionsleistung.

Naturgemäß anders sieht das die Unternehmer_innenseite. Sie sehen „hohe Zufriedenheit mit den Arbeitszeiten“. Beschwerden von Frauen, die mehr Stunden arbeiten wollen und es nicht können, weil die „Arbeitgeber“ sie nicht lassen, halten sich in Grenzen. Verwunderlich, wenn die Angst um den Arbeitsplatz so groß ist, dass zahlreiche Lohnabhängige selbst unbezahlte Arbeitszeiten in Kauf nehmen um ihren Arbeitsplatz nicht zu verlieren?

Was also tun? Natürlich ist der Ruf nach einem weiteren Ausbau der Kinderbetreuung nicht falsch – allerdings viel zu kurz gegriffen. Arbeit fairteilen ist angesagt. 30 Stunden in der Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich sind allemal genug. Und, Teilzeitarbeit muss für Unternehmer_innen, die diese Beschäftigungsform zur Produktivitätsoptimierung nutzen, unattraktiver werden. Der gesteigerte Leistungs-Output muss bezahlt werden.

Wenn über der gestiegenen Teilzeitarbeitsquote das Damoklesschwert der Armut im Alter hängt, muss dieses beseitigt werden. Die Profiteure der Teilzeit sollen ihren teilzeitbeschäftigten Mitarbeiter_innen die Pensionsversicherungsbeiträge für einen Vollzeitarbeitsplatz bezahlen müssen!

Diese Forderung des Gewerkschaftlichen Linksblock im ÖGB (GLB) hat in AK und Gewerkschaft Zustimmung aller Fraktionen, sollte man meinen. Weit gefehlt! Ein diesbezüglicher GLB-Antrag an die Salzburger Arbeiterkammer-Vollversammlung wurde von der Mehrheitsfraktion, der „Sozial“demokratischen Gewerkschafter_innen, mit der Zuweisung „ein Begräbnis zweiter Klasse“ beschert.

Übrigens, nicht nur die überdurchschnittliche Teilzeitquote ist ein Ungleichmacher bei der Einkommensverteilung zwischen Männer und Frauen. Dazu kommt noch die frauenfeindliche Verteilung der Führungspositionen in Betrieb und die niedrigeren KV-Mindestlöhne in den sogenannten Frauenbranchen. Aber das ist eine andere – ebenfalls unrühmliche – Falle.