Vortrag zur gewerkschaftlichen Selbstorganisierung hinter Gitter

gefaINNSBRUCK: Freitag 23. Oktober 2015 um 20:00 im Jugendzentrum Z6 (Dreiheiligenstraße 9, Innsbruck). Der Eintritt ist frei – Spenden sind jedoch sehr erwünscht, da die GG/BO eine unabhängige Basisorganisation ist, welche unter anderem auf Spenden angewiesen ist.

Ob Berlin, Wien, Graz-Karlau oder Garsten – für Häftlinge gibt’s Billiglohnarbeit unter voll-eingeschränkten Arbeits- und Sozialrechten. In Ungarn werden Häftlinge zur Zwangsarbeit am Grenzzaun-Bau abkommandiert. Gefangene werden all zu oft unter dem Motto „Resozialisierung“ als Zwangsarbeitskräfte oder als BilliglohnarbeiterInnen eingesetzt. Da stellt sich sowohl die Frage nach demokratischen, als auch nach gewerkschaftlicher Grundrechten!

Vor ungefähr eineinhalb Jahren gründete sich in Deutschland die Gefangenen-Gewerkschaft / Bundesweite Organisation (GG/BO). Sie widmet sich Fragen, die vor allem im Sinne der ArbeiterInnen, im Gefängnis bislang unumkämpft und ungelöst blieben.
Das betrifft:
– Den Lohn, der beispielsweise in Berlin/Tegel pro Tag maximal 14, 93 (!) Euro beträgt.

– Pensionsanrechnungszeiten für arbeitende Häftlinge, was entgegen der Annahme keine Selbstverständlichkeit ist – und ihre angebliche „Resozialisierung“ ins Absurde führt.

– Das demokratische Recht auf Versammlungsfreiheit und gewerkschaftliche Organisierung.

Von Beginn an, waren die Mitglieder der GG/BO gezielter Schikane durch die Gefängnisleitung ausgesetzt. Zellendurchsuchungen, Beschlagnahmen von Material und Haftverlängerungen wurden unter anderem als Methoden der Einschüchterung und Aufreibung eingesetzt.
Währenddessen wächst die Gefangenengewerkschaft jedoch ständig an und zählt bereits mehrere Hundert Mitglieder. Es gibt Mitglieder in verschieden Gefängnissen Deutschlands, auch eine Gruppe in einem Frauengefängnis wurde diesen Sommer aktiv. Die Arbeit der GG/BO konnte bereits so weit aufgebaut werden, dass selbst Zeitungen wie der „Stern“ oder die „Süddeutsche“ berichtetet, und die offizielle Gewerkschaft verdi sich solidarisch erklärte.

Durch die Initiative der KollegInnen in Deutschland wurde ein neues Feld der Gewerkschaftsarbeit aufgestoßen – anhand ihrer Arbeit können Fragen, Schwierigkeiten und Lösungen des gewerkschaftlichen Kampfes hinter Gitter diskutiert und für die praktische Auseinandersetzung genutzt werden.