Wahrheit ist auch für Bodenseer zumutbar

„Es hat schon einen Grund, warum die Tourismus-Branche, die seit über 60 Jahren Wachstum aufweist, so schwer Personal findet“, stellt Tirols ÖGB-Vorsitzender Philip Wohlgemuth klar. Wohlgemuth ist zugleich Geschäftsführer der für den Tourismus zuständigen Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida. Er nimmt damit Bezug auf die kürzliche Attacke von WKO-Präsident Jürgen Bodenseer auf vida-Vorsitzenden Roman Hebenstreit bei der Fafga-Eröffnung. „Die Sparte kämpft mit erheblichen Problemen. Das ist keine Erfindung der Gewerkschaft, sondern bittere Realität. Anstatt davor die Augen zu verschließen, sollten wir gemeinsam an der Verbesserung der Rahmenbedingen arbeiten. Unsere Hand bleibt ausgestreckt!“, so Wohlgemuth.

Fachkräftemangel entgegentreten

„Der Fachkräftemangel im Tourismus ist hausgemacht und mit entsprechenden Rahmenbedingungen zu beheben. Das hat eine IHS-Studie bestätigt, wonach die angeblichen Rekrutierungsprobleme in der Gastronomie auf die schwierigen Arbeitsbedingungen und das geringe Lohnniveau zurückzuführen sind“, weiß der Tiroler ÖGB-Vorsitzende. Die Probleme im Tourismus sind seit Jahren die Gleichen: hohe Stressbelastung, mangelnde Aufstiegschancen, ungünstige Arbeitszeiten, geringe Entlohnung, kaum Weiterbildungsmöglichkeiten. „Gerechte Bezahlung, bessere Arbeitsbedingungen und Weiterbildungsmöglichkeiten sind die Schlüssel zur Attraktivierung der Tourismusbranche!“, appelliert Wohlgemuth.

Märchen von der Überbezahlung

„Seitens der Wirtschaftskammer ist immer wieder zu hören, dass die meisten MitarbeiterInnen über dem Kollektivvertrag bezahlt werden. Das Märchen der Überzahlung Tiroler Tourismusbeschäftigter basiert aber auf die geleisteten Mehr bzw. Überstunden, die in keinem anderen Bundesland so ausgeprägt sind wie in Tirol. Geschenkt wird den Beschäftigten gar nichts und das ist kein Entgegenkommen der Arbeitgeber, sondern beinharte Arbeit, teilweise bis in die späten Nachstunden hinein“, hält Wohlgemuth fest. Dass die Attraktivität der Jobs im Tourismus jahrelang vernachlässigt wurde, rächt sich jetzt. „Jeder zweite würde seinen Job nicht noch einmal ergreifen und im Vergleich mit anderen Berufsgruppen streben die Beschäftigten mehr als doppelt so oft einen Branchenwechsel an. Oft werden Dienstpläne nicht eingehalten oder die Ruhezeiten sind viel zu kurz – das wirkt natürlich abschreckend. Hier muss angesetzt werden, ebenso bei der Entlohnung. Auch wir wünschen uns, dass der Tourismus weiter floriert und krisenresistent bleibt“, so Wohlgemuth abschließend.

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